Nemashim arabisch-hebräische

 Theatergemeinschaft

 

 

 

                                                                                                                   Haifa, November 2005

Liebe Freunde !

 

Ich will Euch zuerst ein bisschen über die Wohngemeinschaft erzählen und über ihre Arbeit und über die neue Gruppe, die die nächste Generation unsrer Wohngemeinschaft bilden wird.

Die “NEMASHIM”-Gruppe wohnt in Neve Yossef, ein östliches Viertel von Haifa und arbeitet dort seit drei Monaten. Wir machen vor allem Theater, und vor zwei Wochen hatten wir eine erste Aufführung: „Das Königreich der Ballone“. Ein paar Video-clips können eine Ahnung darüber geben:

 

wer hütet das Königreich, wenn die Königin nicht da ist?

Der böse Exemus verführt die Prinzessin

Der Zauberer

(unser Zauberer war am Tag der Aufführung verletzt, er konnte sich kaum bewegen)

 

Die Prinzessin verkleidet sich als Businessman

Die Jagd auf Exemus

 

Ausserdem geben die jungen SchauspielerInnen Theaterunterricht den verschiedenen Bevölkerungsteilen, in Neve Yossef und in den umliegenden Vierteln, unter anderem auch im arabischen Viertel Halissa. Unter anderem eine Strassentheatergruppe von jüdischen und arabischen Jugendlichen, eine Frauentheatergruppe, eine Bauchtanzgruppe und noch mehr. Photos zum Leben der „NEMASHIM“ im Photoalbum: http://www.flickr.com/photos/9370585@N07

 

Am Wochenende des 18. und 19. November fand das erste gemeinsame Wochenende der neuen Gruppe von “NEMASHIM” statt.

Vierzehn Jugendliche nahmen teil, 7 Juden und 7 Araber. Das Studium fand im Gemeindezentrum Neve Yossef statt, die Mahlzeiten nahmen wir in der Wohngemeinschaft ein, dort haben wir auch geschlafen. Die Juden kamen vor allem wegen der Aussicht auf das nächste Jahr in der Wohngemeinschaft, und jetzt konnten sie sehen, wie diese Wohngemeinschaft lebt und leibt. Die Araber kamen nicht wegen der Wohngemeinschaft, aber sie nahmen diese Möglichkeit wahr, so seltsam sie auch ist, für die meisten.

 

Um vier Uhr nachmittags eröffneten wir das Wochenende mit einer kurzen Runde, jedeR stellte sich vor.

Roni und Romi kommen aus einem kleinen Kibbutz in der Nähe von Eilat. Sie haben die Reise am Morgen um sieben begonnen.

Jossi aus Jerusalem lernt Musik in der Mittelschule.

Khaled aus Nazareth spielt in der Theatergruppe „arabischer Traum“.

Iyad aus Jaffa spielt Theater, auch Strassentheater und hat auch in einem Film mitgespielt.

Matan „ist neu im Land“, hat in den letzten zwei Jahren in Mexiko gelebt, ist spezialisiert auf Akrobatik.

Mohammad aus Furadis hat in einer hebräisch-arabischen Theateraufführung mitgemacht.

Mohammad aus Yaffa spielt Theater und macht Judo, er wünscht sich, dass die Juden hier ein bisschen arabisch lernen.

Ahmed aus Nazareth spielte einige Hauptrollen in verschiedenen Stücken.

Sohar aus Gedera macht Zivildienst, nach der Mittelschule.

 

Nach dieser Runde wählte jedeR einen Gegenstand, der ihm/r nahe steht, und dieser Gegenstand erzählte dann über sich und seinen Besitzer. Nun war es Zeit, sich ein bisschen zu bewegen (hier ein VIDEO-Beispiel), was uns bestens auf das schon traditionelle Kouskous von Michal vorbereitete.

Nach dem Abendmahl schauten wir uns die Monologe an, die jedeR vorbereitet hatte, auch das schon Tradition. Bei den ersten Monologen übten wir ein bisschen rum, wie bei Achmed, der den Drogenhändler Ramzy spielte (VIDEO), oder bei Sohar mit Blanche aus „Streetcar named Desire (VIDEO), oder bei Khaled, der das Grab seiner Frau besucht, die bei der Geburt ihres letzten Sohnes Muhannad gestorben ist (VIDEO). Aber die Liste war lang, und wir konnten nicht alle Monologe bearbeiten, wie den von Romi, (Schifra aus „Die Nacht des 20.“ - VIDEO) und andere. Nach Mitternacht erst war der reiche Theaterabend zu Ende.

 

 Den nächsten Tag eröffneten wir, nach dem Frühstück, mit Aufwärmungsübungen, die einer der Teilnehmer, Muhammad aus Yaffo, leitete (VIDEO). Danach musste jedeR schriftlich beschreiben, wie Taufik oder Awi in dieser oder jener handeln würde, wobei die Juden einen fiktiven Taufik beschreiben mussten, und die Araber einen fiktiven Awi. Die Diskussion danach war ziemlich „Parwe“, das heisst lau, weil alle so nett sind und alle Taufiks und Awis sehr positive Typen wurden. Schadi und ich versuchten, das Gespräch ein bisschen anzuheizen, unter anderem fanden wir heraus, dass die meisten Araber mehr gegenseitige Verantwortung verspüren gegenüber Araber als die Juden gegenüber andern Juden.

 

Dann musste jedeR eine “andere” Figur theatralisch darstellen:

Iyad spielte einen Eli, Sohn einer religiösen Familie, der im geheimen einen arabischen Freund hat. Sohar spielte eine Fatima, die Ibrahim heiraten will (VIDEO). Romi spielte Urud (VIDEO), Noam einen Adam, ein Druse, der glaubt, sich und seine Umwelt davon zu überzeugen zu können, dass er kein Araber ist (VIDEO).

Die meisten Figuren waren bedeutend gläubiger als die SchaupsielerInnen hinter der Maske, mit einigen Ausnahmen: Muhammad spielte einen Amit aus Rosh Ha’ayin (VIDEO). Matan spielte einen jungen Strassenverkäufer (VIDEO), Roni einen Adham, der den Juden nicht glaubt, dass ihnen das Leid der Araber wirklich wehtut, sie wollen nur einfach ihren Frieden (VIDEO), Ahmed einen jungen Neueinwanderer aus Ägypter, der sich nicht recht zurechtfindet in „seinem“ neuen Land, viel besser arabisch spricht als hebräisch (VIDEO), und Omar spielte den typischen Bademeister aus Eilat (VIDEO).

 

Nach dem Mittagessen stemmten wir den rieseigen Goldring in den Himmel hinauf (VIDEO), und spielten noch weiter mit diesen Figuren, bis zur letzten Szene, an der alle zusammen teilnahmen. Zwei Video-clips von der Bombardierung und vom Schluss.

 

Alle Video-clips hier: http://www.youtube.com/profile_videos.php?user=nemashim

 

Im Schlussgespräch fanden einige, dass das Wochenende viel zu schnell vorübergegangen sei, sie wollten mehr. Mohammad fand, wir sollten das jüdisch-arabische Thema mehr behandeln. Aber Ahmed fand, eher weniger, er sei gekommen, um Theater zu spielen. Matan antwortete auf die Frage, was zu verbessern sei? – „Was verbessern? Mich!“ Einige mochten die letzte Improvisation nicht, wahrscheinlich, weil sie schwierig war. Roni wollte mehr von der arabischen Kultur erfahren.

 

Das nächste Mal treffen wir uns in einem Monat, bis dann bleibt ja immer noch die Wohngemeinschaft in Newe Yossef und führt ihre Arbeit fort. Ich hoffe, dieser Bericht hat ein klein wenig Licht auf uns und unsre Kleinigkeiten geworfen, was ja unmöglich ist über die internationalen Medien. Ich hoffe auch, dass dieses kleine Licht, so klein es auch sein mag, einen besonderen Wert in Euren Augen hat, insbesondere angesichts der Meldungen, die normalerweise über Reuters und CNN vermittelt werden. Wenn dem so sein sollte, dann findet der eine oder die andere vielleicht ein Weg, uns zu unterstützen, worauf wir sehr angewiesen sind!

 

Mit den besten Grüssen, immer wieder enttäuscht, immer wieder zuversichtlich,

                                                                                      Uri Shani

 

 

 

 

 

 

 

 

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