Liebe Freunde !
Ich will Euch zuerst ein bisschen über die Wohngemeinschaft erzählen
und über ihre Arbeit und über die neue Gruppe, die die nächste
Generation unsrer Wohngemeinschaft bilden wird.
Die “NEMASHIM”-Gruppe
wohnt in Neve Yossef, ein
östliches Viertel von Haifa und arbeitet dort seit drei Monaten. Wir machen
vor allem Theater, und vor zwei Wochen hatten wir eine erste Aufführung:
„Das Königreich der Ballone“. Ein paar Video-clips
können eine Ahnung darüber geben:
wer
hütet das Königreich, wenn die Königin nicht da ist?
Der böse
Exemus verführt die Prinzessin
(unser Zauberer war am Tag der Aufführung verletzt, er konnte sich
kaum bewegen)
Die Prinzessin
verkleidet sich als Businessman
Ausserdem geben die jungen SchauspielerInnen
Theaterunterricht den verschiedenen Bevölkerungsteilen, in Neve Yossef und in den
umliegenden Vierteln, unter anderem auch im arabischen Viertel Halissa. Unter anderem eine Strassentheatergruppe
von jüdischen und arabischen Jugendlichen, eine Frauentheatergruppe, eine
Bauchtanzgruppe und noch mehr. Photos zum Leben der „NEMASHIM“ im Photoalbum: http://www.flickr.com/photos/9370585@N07
Am Wochenende des 18. und 19. November
fand das erste gemeinsame Wochenende der neuen Gruppe von “NEMASHIM” statt.
Vierzehn Jugendliche nahmen teil,
7 Juden und 7 Araber. Das Studium fand im Gemeindezentrum Neve
Yossef statt, die Mahlzeiten nahmen wir in der
Wohngemeinschaft ein, dort haben wir auch geschlafen. Die Juden kamen vor allem
wegen der Aussicht auf das nächste Jahr in der Wohngemeinschaft, und jetzt
konnten sie sehen, wie diese Wohngemeinschaft lebt und leibt. Die Araber kamen
nicht wegen der Wohngemeinschaft, aber sie nahmen diese Möglichkeit wahr,
so seltsam sie auch ist, für die meisten.
Um vier Uhr nachmittags
eröffneten wir das Wochenende mit einer kurzen Runde, jedeR
stellte sich vor.
Roni und Romi
kommen aus einem kleinen Kibbutz in der Nähe von
Eilat. Sie haben die Reise am Morgen um sieben
begonnen.
Iyad aus Jaffa spielt Theater, auch Strassentheater und hat auch in einem Film mitgespielt.
Matan „ist neu im Land“, hat in den
letzten zwei Jahren in Mexiko gelebt, ist spezialisiert auf Akrobatik.
Ahmed aus Nazareth spielte einige
Hauptrollen in verschiedenen Stücken.
Nach dieser Runde wählte jedeR einen Gegenstand, der ihm/r nahe steht, und dieser
Gegenstand erzählte dann über sich und seinen Besitzer. Nun war es
Zeit, sich ein bisschen zu bewegen (hier ein VIDEO-Beispiel), was uns bestens auf das schon
traditionelle Kouskous von Michal vorbereitete.
Nach dem Abendmahl schauten wir
uns die Monologe an, die jedeR vorbereitet hatte,
auch das schon Tradition. Bei den ersten Monologen übten wir ein bisschen
rum, wie bei Achmed, der den Drogenhändler Ramzy
spielte (VIDEO), oder
bei Sohar mit Blanche aus „Streetcar
named Desire“ (VIDEO), oder
bei Khaled, der das Grab seiner Frau besucht, die bei der Geburt ihres letzten
Sohnes Muhannad gestorben ist (VIDEO). Aber
die Liste war lang, und wir konnten nicht alle Monologe bearbeiten, wie den von
Romi, (Schifra aus „Die Nacht des 20.“ - VIDEO) und andere. Nach Mitternacht erst
war der reiche Theaterabend zu Ende.
Den nächsten Tag eröffneten wir,
nach dem Frühstück, mit Aufwärmungsübungen, die einer der
Teilnehmer, Muhammad aus Yaffo, leitete (VIDEO). Danach musste jedeR schriftlich beschreiben, wie Taufik
oder Awi in dieser oder jener handeln würde,
wobei die Juden einen fiktiven Taufik beschreiben
mussten, und die Araber einen fiktiven Awi. Die
Diskussion danach war ziemlich „Parwe“, das heisst lau, weil alle so nett sind und alle Taufiks und Awis sehr positive
Typen wurden. Schadi und ich versuchten, das
Gespräch ein bisschen anzuheizen, unter anderem fanden wir heraus, dass
die meisten Araber mehr gegenseitige Verantwortung verspüren
gegenüber Araber als die Juden gegenüber andern Juden.
Dann musste jedeR
eine “andere” Figur theatralisch darstellen:
Iyad spielte einen Eli, Sohn einer religiösen Familie, der im geheimen
einen arabischen Freund hat. Sohar spielte eine
Fatima, die Ibrahim heiraten will (VIDEO). Romi
spielte Urud (VIDEO), Noam einen
Adam, ein Druse, der glaubt, sich und seine Umwelt davon zu überzeugen zu
können, dass er kein Araber ist (VIDEO).
Die meisten Figuren waren
bedeutend gläubiger als die SchaupsielerInnen
hinter der Maske, mit einigen Ausnahmen: Muhammad spielte einen Amit aus Rosh Ha’ayin (VIDEO). Matan spielte einen jungen Strassenverkäufer (VIDEO), Roni einen Adham, der den Juden
nicht glaubt, dass ihnen das Leid der Araber wirklich wehtut, sie wollen nur
einfach ihren Frieden (VIDEO), Ahmed
einen jungen Neueinwanderer aus Ägypter, der sich nicht recht zurechtfindet
in „seinem“ neuen Land, viel besser arabisch spricht als hebräisch (VIDEO), und
Omar spielte den typischen Bademeister aus Eilat (VIDEO).
Nach dem Mittagessen stemmten wir
den rieseigen Goldring in den Himmel hinauf (VIDEO), und
spielten noch weiter mit diesen Figuren, bis zur letzten Szene, an der alle
zusammen teilnahmen. Zwei Video-clips von der Bombardierung und
vom Schluss.
Alle
Video-clips hier: http://www.youtube.com/profile_videos.php?user=nemashim
Im
Schlussgespräch fanden einige, dass das Wochenende viel zu schnell
vorübergegangen sei, sie wollten mehr. Mohammad fand, wir sollten das
jüdisch-arabische Thema mehr behandeln. Aber Ahmed fand, eher weniger, er
sei gekommen, um Theater zu spielen. Matan antwortete
auf die Frage, was zu verbessern sei? – „Was verbessern? Mich!“ Einige mochten
die letzte Improvisation nicht, wahrscheinlich, weil sie schwierig war. Roni wollte mehr von der arabischen Kultur erfahren.
Das
nächste Mal treffen wir uns in einem Monat, bis dann bleibt ja immer noch
die Wohngemeinschaft in Newe Yossef
und führt ihre Arbeit fort. Ich hoffe, dieser Bericht hat ein klein wenig
Licht auf uns und unsre Kleinigkeiten geworfen, was ja unmöglich ist
über die internationalen Medien. Ich hoffe auch, dass dieses kleine Licht,
so klein es auch sein mag, einen besonderen Wert in Euren Augen hat,
insbesondere angesichts der Meldungen, die normalerweise über Reuters und
CNN vermittelt werden. Wenn dem so sein sollte, dann findet der eine oder die
andere vielleicht ein Weg, uns zu unterstützen, worauf wir sehr angewiesen
sind!
Mit den
besten Grüssen, immer wieder enttäuscht, immer wieder zuversichtlich,
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