NEMASHIM – Maibericht
Noch ein Bericht von mir,
auch wieder eher kurz.
Nach ersten Vorstellungen von
„Shatof“ haben wir das Stück noch mal in unserm
„Haus“ in Neve Yossef
aufgeführt. Wieder war es ein besonderes Erlebnis zu sehen, wie Juden und
Araber zusammen, diesmal Erwachsene, sich ein Stück anschauen, gemeinsam
bewegt oder amüsiert sind.
Auch „Hadi
uTami“, das Kinderstück haben wir wieder
aufgeführt, diesmal in Newe Shalom/Wahat as-Salaam, ein Dorf auf dem
Weg nach Jerusalem, das auf Kirchenland gegründet wurde und das eine
gewisse Berühmtheit hat: das Dorf hat den Vorsatz, ein Beispiel für
jüdisch-arabisches Zusammenleben zu sein, vielleicht ein bisschen
ähnlich wie wir. Diesmal fuhren die sechs 18-20-jährigen SchauspielerInnen alleine mit dem Bühnenbild den
ganzen Weg hin und zurück, die Kinder waren begeistert.
Auch die Theaterarbeit mit
den verschiedenen Gruppen in Halissa und Newe Yossef geht weiter. Das
Schuljahr ist bald zu Ende, darum gibt es da und dort
Zerbröckelungserscheinungen, aber andererseits steht das jährliche
Theaterfestival, das wir zum zweiten Mal mit der Uni Haifa organisieren, vor
der Tür. Gleich nach Deutschland findet dieser Höhepunkt der
jährlichen Gemeindearbeit statt. Letztes Jahr hatten wir Glück: Am
Tag nach dem Festival begann der zweite Libanonkrieg, wir hoffen, dass dieses
Jahr kein Krieg über uns hereinbricht.
Und damit sind wir auch schon
in Deutschland. Amina ist schon dort und hält
Vorträge über das Projekt, das bringt dann hoffentlich auch ein
bisschen Geld zusammen, das uns wie gesagt fehlt. In ein paar Tagen fliegen wir
alle auch nach Deutschland und arbeiten mit einer deutschen und einer
italienischen Gruppe an einem Stück, das dann am Kirchentag in Köln
am 8. Juni und 9. Juni in Köln zu sehen ist.
Dieses mail
ist zugleich die Einladung zu diesem Ereignis. Das Kulturprogramm des
Kirchentages lässt sich hier runterladen:
http://www.kirchentag.net/fileadmin/koeln2007/Kunst/DEKT07_Kulturprogramm.pdf
unser Stück heißt
„Hand durch die Wand“
Nach diesem Ereignis kehren
wir sofort wieder zurück, und die diesjährige Wohngemeinschaft
beendet ihre Arbeit Ende August. Aber die nächste Kommune ist schon
unterwegs, wir haben die sechs aus dem diesjährigen Workshop
ausgewählt, und in einem der nächsten Berichte werde ich sie Euch
vorstellen.
Außerdem haben wir
schon begonnen, junge hebräisch- und arabischsprechende
Theaterinteressierte für den nächsten Workshop auszusuchen. Dies,
damit wir auch im September 2008 weitermachen können, alles unter der
Bedingung, natürlich, dass wir genügend Geld dazu auftreiben.
Ich möchte bei dieser
Gelegenheit ein paar Worte zu einem Thema sagen, das nicht ganz direkt mit dem
Projekt NEMASHIM zu tun hat. Letzten Sommer wütete hier ein Krieg, der
sehr ausführlich in den europäischen Medien beschrieben wurde. Aber
die Streikwelle, die seit drei Monaten das Land überflutet, wird nicht zur
Kenntnis genommen, unter anderem weil die Streikenden (wir) LehrerInnen
und StudentInnen sind. Warum sich kümmern also?
Israel ist auf einem sehr gefährlichen Weg, schon seit 40 Jahren, aber was
die Wirtschaft anbelangt, also der Thatcherkurs, der wird auch schon 30 Jahre
lang begangen, und schon heute ist Israel zu einem der aggressivsten kapitalistischsten
Länder geworden. Der Streik der StudentInnen ist
jetzt zu Ende, seine Erfolge werden verschiedentlich beurteilt. Der
Lehrerstreik geht noch weiter, aber sicher ist die Enttäuschung von Prof.
Juli Tamir, die Erziehungsministerin, von der Partei
von Amir Peretz, der ja selber auch eine große
Enttäuschung ist. Nächste Woche wird diese Partei entscheiden, wer
sie weiterhin anführen soll.
Auch der Fall Bischara wird in Europa eher spärlich zur Kenntnis
genommen, hat aber seine Auswirkung auch auf das Zusammenleben von Juden und
Arabern, und natürlich auch für uns. Der profilierteste Politiker der
palästinensischen Bevölkerung innerhalb Israels soll während des
Krieges im letzten Sommer in Kontakt mit der Hisbollah gehabt haben und wird
des Verrats beschuldigt. Auf Verrat steht in Israel Todesstrafe. Oder
mindestens lebenslängliche Haft. Sogar rechtsgerichtete Politiker haben
gesagt, dass die Beschuldigung absurd ist. Aber die Beschuldigung des Verrats
hat eine sehr tiefe, subtile und langdauernde Wirkung auf jede Beziehung
zwischen palästinensischen und hebräischen Israelis, auch wenn sie
absurd ist.
Ich möchte mit ein paar
Reaktionen von Kindern enden, die Hadi uTami (unsere Version von Hänsel und Gretel) gesehen
haben:
-
Das Stück war lustig. Ich war sehr angetan. Es war interessant und
besonders, wie ihr die hebräisch und arabisch miteinander benutzt habt.
-
Ich hab das Stück gemocht, denn ich lernte auch ein paar Wörter
arabisch durch das Stück. Das Stück war lustig, traurig, interessant
und besonders.
-
Das Stück war gut, weil es schön war und ästhetisch und
originell und schön und investiert und die Sprachen das war besonders wie
ihr die durcheinander benutzt habt.
Ich hoffe, wir sehen ein Teil
von Euch am Kirchentag in Köln, und ich hoffe, unsre akute Geldnot
verkleinert sich in Bälde!
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