Lesereise
April-Mai
Im April 2011 kam mein Buch
NEMASHIM über sechs Jahre mit NEMASHIM, 2002-2008, beim AphorismA-Verlag heraus.
Zur Vorstellung des Buches begab ich mich auf eine Lesereise durch 9
Städte in der Schweiz und in Deutschland.
Ich fuhr mit grosser Freude
und Erwartung und Aufregung, aber auch mit einer Angst: Angst vor dem Buch
selber, was es auslösen würde, und diese Angst ist immer noch da, und
sie wird wohl noch lange andauern.
1.
Bern
Mit Matthias Hui und Ron
Ganzfried aß ich zu Mittag, und da wir uns schon 20 Jahre lang kennen,
kamen wir auch sehr bald auf heiße Eisen, wie die BDS-Kampagne zum Beispiel.
Dies ist ein Thema, das mich schon seit Jahren begleitet, und auch auf dieser
Reise sehr wichtig war. (Ist der Erfolg der BDS-Kampagne in Schottland gut
für die Unterdrückten hier bei uns?)
Am Nachmittag gab ich einen
workshop mit einer Gruppe, die ein Stück über Janusz Korczak
vorbereitet und die an unsrer Arbeit interessiert sind. Danach gingen wir zum
kleinen ONO-Theater, das in einem der Magazine aus dem 12. Jahrhundert in der
Altstadt eingerichtet ist. Es hat mich an die Rittersäle in Akko erinnert,
wo alljährlich das wichtigste Theaterfestival von Israel stattfindet. In
diesem Sinn fühlte ich mich zu Hause…
Vor Beginn der Lesung gingen
wir noch schnell etwas essen, und als wir zurückkamen, funktionierte die
Videoanlage immer noch nicht, ein technisches Problem, das mir während der
Reise mehrmals auffallen würde. Und da denkt man, man komme in den
entwickelten Westen…
Aber es waren dort die ersten
Gäste da, und dies eine halbe Stunde Zeit vor Beginn der Lesung, und so
erhielten wir ein gutes Gefühl. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass
eine der bestbesuchtesten Lesungen war. Auch das Gespräch war sehr
lebendig und handelte unter anderem von der BDS-Kampagne. Es war dies das erste
Mal, dass ich öffentlich zum Thema Stellung nehmen musste.
Im März hatte ich meine
Haltung noch folgendermaßen formuliert:
Mein Problem mit dem Boykott
ist nicht die Assoziation mit "Kauft nicht bei Juden!" Damit habe ich
kein Problem. Denn wenn wir alles umgehen wollen, was mit den Nazis zu tun hat,
können wir auch diese Sprache hier nicht mehr benützen, was ja auch
tatsächlich viele Opfer taten, aber meines Erachtens nicht viel hergibt.
Wenn ich dazu aufrufe, alles
Israelische zu boykottieren, dann geht dabei auch dieses Projekt zugrunde, an
dem ich – mit Unterbruch – schon seit neun Jahren arbeite. Auch der
dreijährige Unterbruch hatte damit zu tun, dass ich es nicht verantworten
konnte, in Europa Geld zu sammeln, für etwas, worauf ich selber nicht
stolz sein konnte, wofür ich mich sogar schämte, und was es zu boykottieren
galt. Jetzt arbeite ich wieder daran, denn die Voraussetzungen sind da, das
Projekt wieder gesunden zu können, und jetzt kann ich auch wieder sagen:
Spendet uns!
Nein, alles was mit Israel zu
tun hat, boykottieren – Nein. Ich glaube, man sollte vielmehr den Leuten
klarmachen: Bitte forscht genau nach, wie ihr Euer Geld investiert! Das hat
dann nicht mehr mit Israel zu tun, und nicht mehr mit Boykott, und das ist viel
komplizierter und fordert von den Menschen mehr. Das ist es ja auch, was ich
immer wieder betone und auch im Buch drüber spreche.
Natürlich bedeutet das
dann, dass dadurch das meiste, was mit Israel zu tun hat, boykottiert wird, und
"unter dem Strich" kommt es ungefähr auf dasselbe heraus.
Trotzdem besteht hier ein wichtiger Unterschied, ob ich sage: "Ich
boykottiere Israel!" Oder: "Ich mach keine Geschäfte mit
Verbrechern."
Das war es ungefähr
auch, was ich an diesem Abend sagte. Außerdem wurde ich natürlich
gefragt, was denn da im Winter 2007-2008 geschah, wie auch an andern Orten
später, auf dieser Reise, aber ich verwies auf das Buch, es war mir schon
schwierig genug, es aufs Blatt zu bringen.
2.
Zürich
Meine Schwester nahm mich in
eine Pizzeria in der Altstadt von Zürich, und während sich die quatro
formaggi längst vermischt hatten, schaffte ich es nicht, sie davon zu
überzeugen, dass wir alle ein heilloses Identitätengemisch sind, der
eine ein arabischer Hebräer, der andere ein hebräischer Araber,
wieder einer ein jüdischer Araber oder ein arabischer Jude, der vierte ein
israelischer Palästinenser.
Von dort war es nicht weit
zum Grossmünster, das ich zwar kenne, Zürich ist immerhin die Stadt,
in der ich mehr Zeit als in jeder andern Stadt der Welt weilte (außer
Tel-Aviv), aber ich muss leider gestehen, dass ich nie wusste, dass diese zwei
Türme so heißen…
Diesmal fand der Abend - obschon in der Zürcher Altstadt -
nicht in einem Keller aus dem 12. Jahrhundert statt, sondern in der Helferei,
und sogar der Beemer funktionierte. Da ein gutes Dutzend Leute da waren, die
mich schon 30 oder 40 Jahre kennen, war dieses "Heimspiel" für
mich sehr emotional, und ich musste gegen Schluss zweimal für ein paar
Sekunden mit dem Lesen aufhören, um mich zu fassen. Hans Dänzer, der
"an allem schuld ist" (Er war mein Regisseur, als ich als Jugendlicher
die Bretter berührte, die die Welt bedeuten…) nagelte mich mit einer Frage
fest über die repressive Toleranz und ob wir nicht so ein bisschen die
Hofnarren in diesem heutigen Israel seien.
Ich muss zugeben, dass ich
keine gute Antwort darauf habe. Vor zwei Monaten las ich das Tagebuch von Hans
Fallada, das er im Gefängnis Ende 1944 schrieb. Er verteidigte seine Wahl,
im Gegensatz zu Brecht und allen andern, Deutschland nicht verlassen zu haben,
und seine Apologetik hinkte und humpelte. Auch ich hinkte und humpelte an
diesem Abend, und ich erinnere mich gut daran, dass wir in den Achtziger-Jahren
mit Abscheu sagten: Sollte Sharon jemals Premierminister werden, na ja, dann
sind wir aber bestimmt nicht mehr da. Inzwischen scheinen die
abscheulichen Jahre 2001-2005 nicht sehr viel schlimmer, als was wir heute
haben.

3.
St. Gallen
Und wieder in der Altstadt,
aber wieder eine ganz andere Geschichte: Den Säntis sah ich durch den
verdeckten Himmel nicht, endlich hatte es zu regnen begonnen, nicht viel, aber
immerhin.
In den Keller der
Buchhandlung "Comedia" kamen nur etwa 20 Besucher, aber fast alle
kauften nach der Lesung ein Buch. Ein Laden, der mir gefällt, ich sah dort
auch eine deutsche Übersetzung von "Empört Euch!", von dem
alle jetzt reden.
Die berühmte Mumie in
der Bibliothek hab ich verpasst, darum sagte ich vielleicht auch so ohne
Zögern, auf die Frage, was ich vom inner-palästinensischen Abkommen
halte: "Das finde ich gut."
Meine Gastgeberin, Batja
Guggenheim, ist Mitgründerin der Gruppe "Olivenzweig", einer
vielfarbigen Gruppe, denen unser Land hier, merkwürdigerweise, wichtig
ist. (wie auch, wahrscheinlich, all denen, die diese Zeilen lesen....). Am
nächsten Morgen besuchten wir einen andern Mitgründer dieser Gruppe,
Ahmed Garhe, ein palästinensischer Flüchtling aus Syrien mit einer
jüdischer Großmutter aus Haifa (genug kompliziert?). Mich
persönlich würde sehr interessieren, die Familie seiner
Großmutter in Haifa kennenzulernen, diese Brüder und Schwester, die
jeden Kontakt mit ihr abbrachen, als sie ihren nichtjüdischen Mann
heiratete und die offenbar nichts unternahmen, als sie dann eine
palästinensische Flüchtlingsfrau wurde. Mehr über ihn:
www.qv-lachen.ch/QN/QN%205%2010.pdf
(Seite 9) Er hat auch
eine eigene website: http://www.garhe.ch/
Dann verbrachte ich den
Nachmittag mit dieser Gruppe "Olivenzweig" und machte mit ihnen
Statuen der Unterdrückung und Befreiung.
Hier nur verkürzt eine der
Reaktionen, die ich bisher erhielt:
"Lieber Uri,
Es war eine sehr intensive und reiche Zeit mir dir, Uri,
erst im Keller der Comedia, dann im Atelier von Brigitte. Zwischen diesen
beiden Zeiten habe ich dein Buch gelesen, wie schon gesagt. Es hat mich tief
berührt, wegen deinem Engagement, deiner Ehrlichkeit und deiner
Deutlichkeit.
Ich habe heute Nachmittag im workshop auch sehr viel
gelernt: die Langsamkeit der Entwicklungen, die Notwendigkeit der Geduld mit
Beharrlichkeit - und trotz der wahrgenommenen Dringlichkeit, wird doch die
Situation schwerer, schlimmer, von Jahr zu Jahr."
Das Schweizer Kapitel war zu
Ende. Am Morgen, als ich alles zusammenpackte, um mich auf den Weg nach
Stuttgart zu machen, durchflog mich plötzlich ein Gedanke: Ja, bis jetzt
war's eigentlich einfach. In der Schweiz. Jetzt kommt der schwierigere Brocken.
Vielleicht blas' ich die ganze Sache ab? Habe ich die Kraft noch, mich den
Fragen zu stellen, die sich aus meiner Darstellung ergeben?
4.
Stuttgart
Nach Deutschland kam ich in der
Nacht. So wie meine Großmutter in der Nacht aus Deutschland in die
Schweiz flüchtete, vor 77 Jahren, so stahl ich mich jetzt auf umgekehrtem
Weg wieder rein. Während ich noch an der Bushaltestelle wartete, kam halb
gehend, halb tänzelnd, Juliane Spitta auf mich zu. Juliane hat eine ganz
besondere, sehr starke, fast mystische Beziehung zu unserm Land, aber in keiner
Weise idealisierend, denn zu gut kennt sie es, zu intensiv hat sie es erlebt.
Vielleicht ist es – Liebe?
Den ersten Morgen in
Deutschland verbrachte ich bei ihr, und als ich hungrig war, gingen wir zum Imbiss Beirut an der Josef Hirn-str.
Mussa Ghasi schaute sich gerade die Fernsehbilder von der Aktion gegen Osama
bin Laden an, er verfluchte die USA, sie hätten ihren Hund jetzt
abgeschossen, nachdem dieser es gewagt habe, mit dem Schwanz zu wedeln. Ich
sprach mit Mussa natürlich arabisch, aber Juliane stellte mich nicht vor,
und als Mussa mich fragte, woher ich käme, war ich ein wenig verunsichert,
in den ersten Sekunden. Er rügte mich, dass ich zögerte, mich als
Israeli vorzustellen, aber es war halt ein wenig anders für mich als mit
Ahmed in St. Gallen. Auch Mussa ist nett, aber auch bitter. Sehr bitter. Er
kommt aus Bint Dschbel, das ist gleich an der israelischen Grenze. Die
Verbrechen, die die israelische Armee dort nur schon im Sommer 2006
verübte, sind haarsträubend. Mussa ist zwar schon längst nicht
mehr dort, er lebt in Stuttgart seit Beginn des Bürgerkrieges, also schon
35 Jahre lang. Aber im Juli 2006 stand sein alter Vater vor seinem Haus, als
die israelische Armee wieder mal einmarschierte, und sie haben ihn einfach aus
nächster Nähe ermordet. (Im Nachhinein sagte mir Juliane, Mussa
hätte natürlich sofort erraten, dass ich Israeli bin, wegen meinem
Brillenband, das hebräisch beschriftet ist. )
Von dort führte mich
Juliane ins Stadtzentrum, und dann spürte ich, wie sie immer weiter zu
einer bestimmten Stelle hinzielte. Und sie erzählte mir die ganze
Geschichte von s21. Im Park hinter dem Bahnhof zeigte sie mir, wo das geschah,
am 30.9.2010: der brutale Polizeieinsatz, die wehrlosen Demonstranten, die
Verletzten, die hilflosen Sanitäter, und von all dem kamen ihr
Tränen, wie wenn es gestern gewesen wäre.
Von dem ganzen Projekt,
dessen Budget höher ist als das jährliche israelische Gesundheits-
oder Erziehungsbudget, und nur noch tiefer ist, als was Israel für
"Verteidigung" ausgibt, hören wir hier genauso wenig, wie Ihr
dort über den Streik von "Haifa Chemicals" oder über die
Sozialwohnungen bei uns hört, aus denen die mittellosen Bewohner
vertrieben werden.
Da es Montag war, gingen wir
auch an die Montagsdemo, gleich vor der Lesung, und am selben Tag wurde in der
Zeitung meine Lesung angezeigt, aber es stand dort auch, dass jeder zweite
Stuttgarter Migrationshintergrund (ein Wort, das mein WORD-Programm nicht kennt,
aber google schreibt eine 7-stellige Nummer hin) habe. Gemessen an den
Tausenden dieser Demo, die mir alle, ohne Ausnahme, wie gebürtige Deutsche
aussahen, hätte ich das niemals erraten. Diese Migrationshintergründler
geht also s21 offenbar nichts an…
5.
München
In Stuttgart kannte ich
niemand, aber nach dem, was ich erlebt hatte, fiel es mir schwer, die Stadt zu
verlassen. Aber in München kannte ich sehr wohl ein paar Leute. Zuerst
einmal sang und tanzte hier meine Großmutter mit Frank Wedekind in
irgendeiner Kneipe, trotz Tanzverbot (denn es war der Erste Weltkrieg), aber
vor allem studiert hier Sapir (5. NEMASHIM-Gruppe 2006-2008) Regie an der Akademie
des Prinzregententheaters und andere Freunde aus längst vergessenen Zeiten
und auch aus der Gegenwart, sehr verschiedene Menschen und dementsprechend war
auch das Gespräch nach der Lesung sehr bunt: von Theatertechnik, über
das Zusammenleben in der Wohngemeinschaft und bis zu den politischen Fragen des
neuen Nahen Ostens, der in Aufruhr ist.
Hier, wie an anderen Abenden,
wurde ich gefragt, was denn jetzt im neuen Format anders ist, als in den im
Buch beschriebenen Jahren 2002-2008. Ich betonte vor allem zwei Punkte:
1.
Unser zentrales Problem (außer Geld) war immer die ungenügende
Anstrengung, arabische Jugendliche zu finden. Jetzt arbeitet Khitam sehr
intensiv daran, und wir hoffen, nächstes eine gute und große Gruppe
zu haben.
2.
Wir versuchten, die jungen SchauspielerInnen einen Prozess durchzuleben,
ohne uns genug damit auseinanderzusetzen, wie das Ganze auf uns selber
auswirkt. Auch besprachen wir ideologische und politische Dinge viel zu wenig,
und das ist im neuen Team besser.
6.
Mainz
In Mainz erwartete mich Anis
Hamade, der vielleicht durch sein Buch "Islam für Kids" am
meisten bekannt ist. Sein Vater stammt aus einem Dorf neben Jenin, seine Mutter
ist aus dem Norden Deutschlands. Anis wuchs in Hamburg auf und lebt seit sechs
Jahren in Mainz.
Die Lesung in Mainz war ganz
besonders, denn auch Amina war dabei. Inzwischen erhielt ich schon erste
positive Stimmen, die es gut finden, dass ich darauf bestanden habe, dass im
Buch eine zweite Stimme spricht. Und in Mainz sprach sie auch tatsächlich.
Aber es waren außerdem
auch einige Studenten im Publikum, und dabei zwei Palästinenser, ein
Assyrer, und Yasemin, eine Türkin.
Hier wie überall sprach
ich von Juliano Mer-Chamiss, aber hier tat dies auch Yasemin, und auch Amina,
die ihn sogar noch besser kannte als ich. Ich zitierte jemand, der an einem der
Gedenkabende Brecht zitierte: " Unglücklich das
Land, das Helden nötig hat." (aus
"Galileo Galilei")

Photo: Anis Hamade
7.
Duisburg
Hermann Dierkes steht in den
letzten Jahren mit dem Rücken zur Wand. Nicht nur von rechts, auf von
seiner eigenen Partei wird er mit der Antisemitismuskeule angegriffen, und
dabei ist er so antisemitisch wie ich. Ich bemitleide ihn zutiefst, aber ich
glaube, dass auch die meisten Freunde in Deutschland, die das Herz auf der
linken Seite haben, nicht genug konsequent die Grenze immer und immer wieder
nicht zwischen Hebräer und Araber, sondern zwischen Unterdrücker und
Unterdrückte ziehen.
Auch hier wieder – die
BDS-Frage.
Ich zückte nochmals mein
Buch und las vor:
"Nach dem Ausbruch der Zweiten Intifada und der Rückeroberung der Westbank im Frühjahr 2002 kam nun auch noch der Einmarsch der USA in den Irak im März 2003. Wir hatten Angst, wir müssten uns wieder die dummen und nutzlosen (manchmal sogar schädlichen) Gasmasken überziehen, aber nein, es kam viel schlimmer: Fürs erste war es wirklich aus mit Spendengeldern für den Nahen Osten! Warum ist das eigentlich immer so? Je mehr Geld die Kriegstreiber(innen) in den Nahen Osten pumpen, desto weniger erhalten Organisationen, die etwas aufbauen wollen! Welch merkwürdige Art von Boykott! Mit dem Geld, das für einen einzigen Apache-Kampfhubschrauber ausgegeben wird, könnte unser Projekt mehr als 1.500 Jahre finanziert werden, oder achtzig solche Projekte 20 Jahre lang. Das wären nach 20 Jahren 10.000 Jugendliche, die für ein Jahr in einer gemeinsamen Wohnung wohnten und mit Hunderttausenden Theater und andere Gemeindearbeit machten. Ein einziger Apache-Kampfhubschrauber!"
8.
Lüneburg
Die gute Sonja, jetzt schon 94
Jahre alt, wollte mich am Bahnhof abholen. Ich sagte ihr, dass ich um 13.30 Uhr
ankomme, aber als ich in Hannover umstieg, meldete die DB plötzlich, dass
der ICE nicht in Lüneburg hält. Was jetzt? Zum Glück warf mir
jemals das Wort "Metronom" zu tun. Das hatte ich das letzte Mal vor
35 Jahren in den Klavierstunden gehört, aber irgendwo stand es
tatsächlich auf einem Waggon geschrieben. Und wo fährt der hin? Nach
Uelzen. Und was soll Uelzen sein? Na ja, irgendwie fand ich heraus, dass ich
mit nochmaligen umsteigen erst um 14.30 Uhr in Lüneburg sein werde, rief
die alte Tante an, aber die war nicht zu Hause, so hinterließ ich eine
Nachricht. 14.30 Uhr: keine Sonja am Bahnsteig. Eine Viertelstunde suchen, und
dann mit einem Bus zu Sonja nach Hause. Tatsächlich hatte sie sich schon
auf den Weg gemacht, als ich die Nachricht hinterließ, und nachdem sie
bis 14.00 Uhr gewartet hatte, ging sie wieder nach Hause.

Photo: Georg
Gunkel-Schwaderer
Hauptsache: Sonja geht es
gut. Sie kämpft immer noch gegen Faschismus und Dummheit, und ich war so
froh, dass an diesem Abend in der "Leuphana" auch Sonja dabei war!
Den Abend organisierten Prof. Werner Preuß und Martin Preuß, und
Martin hatte es diesmal eher so wie ein Kaffee eingerichtet, damit es auch
gemütlich sei. Schlussendlich kamen sehr viel mehr als erwartet, und wie
in Mainz, nicht wenig Studenten, auch diesmal freute mich das sehr. Wieder
musste ich in der Diskussionsrunde erklären, dass es nicht um Juden und
Araber ginge, und auch nicht um Hebräer und Araber, dass diese
Unterscheidung nur eine Hetze sei, damit der Unmut nicht gegen die Oberen
gerichtet werde. Ich war schon ein wenig müde davon, an diesem Abend, aber
Achim Rohde, auch sein Dabeisein eine sehr angenehme Überraschung,
führte das Gespräch wieder speziell auf das Projekt zurück: Ist
es denn überhaupt von Vorteil, dass diese Jugendlichen, die zusammen
Theater machen, auch zusammen wohnen?
Eine ausgezeichnete Frage,
mit der wir uns jetzt, seit ich wieder zurück bin, ziemlich intensiv
auseinandergesetzt haben, weiter unten werde ich drüber berichten. Nur
noch ein paar Sätze über die letzte Station:
9.
Berlin
Berlin ist der Sitz des
Verlages AphorismA, der das Buch herausgegeben hat und diese ganze Reise
finanziert und organisiert hat. Ich habe mir einen imposanten Abschlussabend
vorgestellt, aber es kamen weniger als an jedem andern Abend. Das war ein wenig
enttäuschend, aber immerhin: Michael war da, der jetzt in Berlin lebt, und
nachdem ich seinen "Tod des Akrobaten" vorlas, meinte er, es töne
sehr gut auf Deutsch.
Als in Israel alle
stillstanden für zwei Minuten (na ja, nicht alle…), zum Gedenken an die
Kriegsopfer (nicht alle, denn an die palästinensischen Opfer wird an
diesem Tag nicht erinnert, und auch die orthodoxen Juden, die sich auch nicht
mit dem israelischen Staat identifizieren, gedenken dieser Opfer nicht), machte
ich auf den Weg, zurück nach Hause.
Nun bin ich also wieder da,
und wir haben uns in den letzten drei Wochen ziemlich intensive mit der Frage
auseinandergesetzt, wie wir gerne möchten, dass das Projekt aussähe.
In welcher Art erreichen wir am besten die Ziele, die wir definiert haben? Wie
helfen am besten wir der diskriminierten Bevölkerung von Ost-Haifa?
Leider wurde dieser Prozess
überschattet dadurch, dass wir viel zu wenig Geld haben, um das zu tun,
was wir gerne möchten. Vielleicht müssen wir die Wohnung aufgeben, in
der die Jugendlichen wohnen sollten. Mit dem wenigen Geld, das wir momentan
haben, werden wir ein sehr zusammengestutztes Format dessen machen können,
was wir vorhatten. Und wir müssen uns umso mehr Mühe geben, das
wenige Geld richtig einzusetzen. Allerdings sind wir überaus froh um jede
noch so bescheidene Hilfe!
Ich wünsche allen unsern
Freunden alles Gute!
Bis zum nächsten Mal!
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