Nemashim arabisch-hebräische

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Nemashim

Erstes Treffen der Kommune 2006-2007

Mai 19-20 2006

Moshav Clil

Im Schatten eines großen weißen Zeltes, das die Sonne aber nicht die beruhigende Ansicht des entfernten Mittelmeeres blockierte, begannen die fünf Mitglieder des diesjährigen Nemashim-Seminars, die ausgewählt wurden, an der zweiten Kommune von Nemashim teilzunehmen, jedeR des/r anderen Hoffnungen und Ängste für das kommende Jahr kennenzulernen.  Sie begannen auch, Amina kennenzulernen, eine Besucherin aus Deutschland, mit der sie während des letzten Monats gemailt und am Telefon gesprochen hatten.

Die Stimmung von Or, Daniel, Renana, Ahmad und Khaled, die sich in Nahariya versammelten, war festlich – der Geruch des Meeres und die Aussicht auf ein Theaterseminar versetzten jedeN in gute Stimmung. Nach dem Ankommen in Clil, tauchten sie sofort in ein intensives Programm, das anspruchsvoll für sie sowohl als angehende Künstler als auch als junge Menschen war.

Die Spiegelübungen dienten als Worm-up, als der Sonnenuntergang sich näherte und die Luft kühler wurde, um den Werkstattraum in einem schönen improvisierten Tanz zu bewegen.  Am Ende des Wochenendes erinnerten sich einige Teilnehmer an diese erste Stunde als eine der schwierigsten Übungen. (video 1, video2, leading).

 

Die Gruppe muß die, die fallen, wieder auf die Beine helfen. Leute gehen und fallen (video)

 

Nach dem Abendessen - eine ausgezeichnete vegetarische Mahlzeit im Clil Café- wurden die Teilnehmer gebeten, innerhalb von 10 Minuten kurze Szenen zu inszenieren, die ihre Furcht vor dem kommende Jahr ausdrückten sollte.  Persönlicher Raum und Zeit waren allgemeine Themen, sowie Furcht über das Teilen.  Ein Teilnehmer beleuchtete die kulturellen Unterschiede (zwischen Palästinensern und Juden), die zur Frage wurden, welches Verhalten in der Kommune angebracht ist und welches nicht.

Als die Teilnehmer gebeten wurden, ihre Phantasien für dieses Jahr zu schildern, tauchte eine Vielzahl von Welten auf.  Es gab Träume von Ruhm, von aktivem Sozialleben und tiefen Freundschaften, und viele der Szenen hoben die Rolle der Kommune als warmer und unterstützender Raum hervor.  Trotz der Sprachbarriere nahm Amina auch an diesem Teil des Seminars teil und war in der Lage, Richtung zu geben und zu nehmen; die anderen Teilnehmer waren sehr geduldig und bemühten sich, für sie zu übersetzen, wie auch ich selber (Miriam Asnes). 

Fast schon um Mitternacht schickten Co-Lehrer Uri Shani und Shadi Fakhr Al-Din die Teilnehmer ins Bett mit der Aufgabe, jedes Paar solle einen 20-Minuten langen Unterricht für den folgenden Morgen entwerfen, zu irgendeinem Thema.  Diese Aufgabe war eine neue Richtung für die Gruppe; nachdem sie am Seminar teilgenommen hatten, waren sie jetzt im Begriff, zu erlernen, wie man selber Seminare plant und ausführt. Die Teilnehmer nahmen diese Aufgabe sehr ernst und saßen bis spät noch und planten.

 

 

 

Am folgenden Morgen, voll von den Erdnußbuttermuffins und frischen Eiern und Kaffee, nahm jedeR AnwesendeR teil an den drei Werkstätten.  Or und Amina wollten das Thema der Entfremdung behandeln, (Or betonte: „nicht im Brechtschen Sinn, sondern im Marxschen Sinn“) und arbeiteten an Szenen, die mit Zahlen statt mit Text gespielt wurden, sowie Szenen mit einer förmlichen Beziehung, die drastisch in der Mitte geändert wurden, und die Rollen waren sich plötzlich vertraut.  Uri bemerkte, das Verwenden von Zahlen anstelle von Wörtern in einer Szene ist Kauderwelsch ähnlich, aber es entsteht nicht ein Gefühl von Entfremdung, sondern vielleicht das Gegenteil: um die Entfremdung zu überwinden, brauchen wir vielleicht die Worte nicht, sondern nur den Laut oder die Bewegung.  Or und Amina erfuhren, daß manchmal aus einer neuen Übung die unerwarteten oder konträren Ergebnisse resultieren. 

Dann gaben Khaled und Daniel ihren sechs "Teilnehmern" Rollen zum Thema Klima und Verunreinigung: Baum, Blume, Vogel, LKW, Abwasser und Abfall und ließ sie Szenen erfinden (video). Hier ein Bildschirm-Beispiel eines Treffens zwischen Baum und Abfall (video).  Shadi warnte das Paar davor,  eine Diskussion zu beginnen, die sie wegen Zeitmangels nicht beenden könnten.

Ahmad und Renana verwendeten einige der Übungen, die sie während des Nemashim-Seminars erlernt hatten, wie Übungen von Vertrauen und Übungen mit geschlossenen Augen.  Renana bemerkte, dass sie zuvor nicht mit Ahmad gearbeitet hatte, sie wußte nicht im vorherein, ob sie ein gutes unterrichtendes Paar sein würden; jedoch sie arbeiten sehr gut zusammen und wurden dafür auch gelobt. 

Vor dem Mittagessen führten Uri und Shadi eine Diskussion darüber, was jeder Teilnehmer hoffte, während des kommenden Jahres zu geben und zu erhalten.  Khaled und Ahmad beide drückten den Wunsch aus, den andern zu helfen, Arabisch zu lernen.  Praktische Interessen wurden erwähnt, wie Zeit finden zum Studieren und Arbeit finden. Die Mitglieder der Wohngemeinschaft werden ausser ihrer gemeinnützigen Arbeit auch andere Arbeit suchen müssen, denn die Organisation hat für das Projekt nicht genug Geld beisammen. Shadi und Uri regten sie an, diese Gespräche ernst zu nehmen, noch bevor sie in der Kommune zusammen leben, damit dann alles klar ist. 

Am Nachmittag wurde Theater geübt, vor allem Rollenspiel; Die längste Übung war eine improvisierte Szene, in der Teilnehmer ständig Rollen wechseln mussten, einen neuen Kontext und eine neue Geschichte immer vorstellen.  Schließlich musste jedeR den richtigen Hut aufsetzen und die dazugehörige Rolle spielen, um seinen/ihren Partner von einem Koma wieder zu beleben. (2 Video-Beispiele: 1  2)

Vor der abschließenden Diskussion spielte Amina einen Monolog von der Anouilh-Version von Antigone auf Deutsch, und die Gruppe gab ihre Kritik. Einige hatten Mühe mit der Sprache, andere konnten folgen und hatten konstruktive Kritik über gute Stimme und Rhythmus. Shadi dachte, daß ihre Bereitwilligkeit, Pausen zu nehmen in der Szene sehr wirkungsvoll war.

 

Im abschliessenden Gespräch erwähnten die Teilnehmer, dass sie während dieses Wochenendes entdeckten, daß viele von ihnen ähnliche Fürchte teilten, die andere teilen. Auch die kulturellen Unterschiede betreffend romantische Beziehungen und sexuelles Verhalten waren wieder ein Thema, und werden bestimmt auch wieder ein Thema für weitere Diskussionen sein.  Die Gruppe bestätigte, daß die mögliche Einbeziehung von Amina in der Kommune sprachlich schwierig sein würde, aber sie drückten aus, wie offen sie sie getroffen hatten.  "Im Moment als ich sie sah," sagte Renana, "sagte ich zu den anderen, es wird okay sein.”

 

Ja, es wird okay sein, wenn genug Geld zusammen ist, um das Projekt auch nach dem Abschluss der ersten Wohngemeinschaft weiterzuführen. Diese jungen Israelis, Juden und Palästinenser, sind jedenfalls dazu bereit.

 

 

 

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