Liebe Freunde!
Mehr als ein halbes Jahr habe
ich keinen Bericht mehr geschrieben, so wird es hier jetzt ein wenig viel
werden.
Der Nahe Osten befindet sich
in einer großen Revolutionsphase. Den Februarbericht letzten Jahres
beendete ich noch mit dem ironisch gemeinten Satz:
"Aber eines sollten
wir nie vergessen: Wir sind die einzige Demokratie im Nahen Osten!"
Wer bis heute die Ironie und
vor allem den Rassismus dieser Behauptung nicht verstanden hat, für den
haben die Ägypter nun diese Revolution gemacht. Aus dem Südwesten
kommt neuerdings nicht nur viel Sand aus dem Nildelta an unsre Küste,
sondern es wehen auch Winde der Erneuerung, des Fortschritts, und vor allem:
eines neuen Stolzes, Araber zu sein.
Unsre Regierung ist genauso
korrupt, auch bei uns haben immer mehr Menschen kein Essen mehr, keine Wohnung
mehr, keine Arbeit mehr, auch bei uns versucht die Regierung, die einen gegen
die andern aufzuhetzen, nur: Bei uns gelingt es. Die Ägypter ließen
sich nicht verhetzen. Bei uns ist Rassismus immer noch hoch im Kurs, und immer
mehr!
Das Forumstück
"Aufnahmekommission", das wir letztes Jahr aufführten, und wovon
ich in den Berichten
des letztes Jahres schrieb, behandelt so ein rassistischer Gesetzentwurf,
der immer noch weltweit so viel Lärm macht, dass er bis heute in der
Knesset nicht angenommen wurde.
Im Sommer nahmen wir dann am Neve-Jossef-Festival teil mit
einer umgekehrten Version des "Untermieters" (siehe Aprilbericht
und Maibericht
2009), d.h. diesmal: Zu einem jungen privilegierten
("jüdischen") Mann kommt seine Freundin, die junge Araberin, von
der er gar nicht weiß, dass sie Araberin ist. Ein ganz kleines Video
davon:
http://www.youtube.com/watch?v=Nsegn9HBVpA
Hier war das Forum besonders
schön. Lokale Bevölkerung aus Newe Jossef (Einwanderer aus Nordafrika, Russland, aus dem Kaukasus
und aus Äthiopien) und Araber aus Halissa und
solche aus den beiden drusischen Karmel-Städten Ussfiya und Dalia (die Drusen sind andere Araber als die
restlichen Muslime oder Christen, die die palästinensische
Bevölkerung ausmachen. Na ja, es sind ja irgendwie alle ein wenig anders
voneinander…)
Und schließlich:
Seit Ende Januar arbeite ich endlich,
nach fast drei Jahren, mit einem neuen Team daran, das Projekt NEMASHIM wieder
aufzubauen, um es wieder auf den Standard zu bringen, der ihm gebührt.
Vieles hat sich
geändert, seit den ersten drei Jahren in Haifa 2005-2008. Aber das
Wichtigste ist: Ich habe heute tatsächlich Partner, mit denen ich arbeiten
kann.
Von einer Kommune sind
eigentlich nur zwei junge hebräische Frauen da, die die Wohnung halten,
aber ich arbeite mit ihnen und mit der Gruppe, mit denen ich die oben
beschriebenen Stücke gemacht habe, an einer Aufführung für das
nächste Pantomime-Festival am 21. April.
Inzwischen arbeiten wir natürlich daran, dass in
diesem Sommer eine gute und starke Kommune in die Wohnung in Halissa einzieht. Ich war zum ersten Mal beim dritten
Treffen der Gruppe dabei, wieder in Ness-Amim, dort
arbeitete ich mit einer großen Gruppe, darunter auch mehrere arabische
junge Frauen, an Forumtheater (wir spielten drei kurze
Stücke durch, zu den Themen: 1. Gruppendruck, 2. eine arabische
Jugendliche, die in einen Theaterkurs will, 3. und anti-arabischer Rassismus im
Wohnungsmarkt), Zeitungstheater (zu den Themen Frauenmord, ein
neuer Gesetzesvorschlag, der Eltern mit einer bestimmten Geldsumme für
Vergehen ihrer Kinder bestrafen soll, und ein rassistischer Rabbiner, der die
Gleichstellung der Frau als pharaonische Fremdkultur beschimpft…), und Pantomime.
Außerdem bereiteten
wir Gipsmasken vor, mit denen wir spielten und auch das nächste
Mal spielen werden.

Weitere Fotos von diesem Wochenende: http://www.flickr.com/photos/9370585@N07/sets/72157626036990490/
Und nun zu etwas, was Euch
vielleicht am meisten interessiert:
Im April erscheint mein Buch
"Nemashim", (mit einem Beitrag von Amina
Nolte, die in der Kommune 2006-2007 war) beim AphorismA-Verlag
in Berlin, und Ende April gehe ich auf Lesereise durch die Schweiz und bis nach
Berlin.
Genaueres über die
Lesereise hier: www.mideastweb.org/nemashim/lesereise2011.htm
So sehen wir uns also bald in
Europa, wer Lust dazu hat!
Das Buch über
NEMASHIM:
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