Liebe Freunde!
Der März ist mit der
Premiere unsres neuen Stückes zu Ende gegangen. Es geht um die
Aufnahmekommissionen, wie ich schon im letzten Bericht
beschrieb.
Ich hatte ehrlich gesagt den
Brief von David übersetzt, im Glauben, es würde sich jemand
empören und etwas dazu schreiben, aber leider erhielt ich keine Reaktion.
Unsere Gruppe ist immer noch
hebräisch-arabisch-russisch, wie letztes Jahr, aber ein paar der
Mitglieder sind neu. Es ist immer noch eine pluralistisch offene Gruppe, auch
was die politischen Ideen anbelangt, wir arbeiten also zusammen, obschon die
einen die Zwei-Staaten-Lösung für realistischer halten, die andern
einen bi-nationalen Staat propagieren, und wieder
andere gar nichts mit Nationen zu tun haben wollen. So war es also
möglich, die erste Aufführung an der jährlichen Tarabut-Konferenz zu machen. Dies ist eine ziemlich neue
politische Bewegung (http://www.tarabut.info/en/home),
die verschiedene Kämpfe von Unterdrückten auf eine gemeinsame
Plattform zu bringen versucht. In dieser Bewegung gibt es Aktivisten gegen die
Häuserzerstörungen in Wadi Ara, in Yaffa, im Negev, in Kfar Shalem, natürlich auch Aktivisten gegen die Okkupation
von Westjordanien und gegen die Belagerung von Ghaza
usw.
Für unsre Gruppe ist
dies ein passender Platz, und noch mehr für unser neues Stück, in dem
drum geht, dass es heute viele Dörfer gibt (mit der Bezeichnung: "Kibbutz", "Moshav",
"Yishuv kehilati",
"Mitzpe" usw.), die auf Hunderten oder
sogar Tausenden von Hektaren sitzen, und schon seit Jahrzehnten selber
darüber beschließen, wer sich in ihrem Dorf ein Haus kaufen oder
bauen dürfe. Dabei werden normalerweise alleinerziehende Mütter,
Homosexuelle, Behinderte, Äthiopier, usw. Angewiesen, Araber werden auf
keinen Fall aufgenommen. Dies ist insbesondere ironisch, weil diese
Ländereien ja ursprünglich von den Arabern selber weggenommen wurden,
und heute eine arabische Stadt keine Möglichkeit hat, neue Quartiere zu
bauen.
Hier ein Videoauszug aus der
ersten Aufführung in Yaffo, anlässlich der Tarabut-Konferenz:
http://www.youtube.com/watch?v=wSrIoTkBgRI
Das Stück wird in der
Form des Forumtheaters gespielt, das heißt, dass nach ungefähr 20
Minuten das Spiel vom Publikum weitergeführt wird. In diesem ersten Fall haben
wir ziemlich viel diskutiert und nicht sehr viel gespielt, und zu einer
zufriedenstellenden Lösung sind wir eigentlich nicht gekommen. Die einzige
konkrete Idee ist eigentlich eine kapitalistische, und die gefiel den meisten
nicht.
Der liberale Kapitalismus
schafft ja nicht wirklich eine Realität, in der alle die gleichen Chancen
haben. Aber wir spielten ein paar Versuche durch, ein Teil war auch lustig, und
das ist ja nicht weiter schlimm.
Die Schwierigkeit in diesem
Fall ist, dass es nicht um einen persönlichen Konflikt geht: Die drei
Kommissionsmitglieder Yaa'kow, Shulamit
und Bentzi kennen die "Opfer" kaum, und
wenn sich diese dagegen auflehnen, dass sie abgewiesen werden, nützt das
nichts.
Ein neuer Fall dieser Art von
Diskriminierung ist irgendwie interessant: Ahmed Tarabin
ist weißhäutiger als die meisten Menschen, die ich kenne, mit ganz weißen
Haaren, wie mein Vater ungefähr. Das Dorf ("Moshav"),
in das er und seine Familie aufgenommen werden wollten, ist mehrheitlich mit
Einwanderern aus Kerala besiedelt, die ganz schwarz
sind. Das geht aber nicht, denn er ist Araber, und die Juden wollen keine
Araber in ihrem Dorf....
Verschiedene Artikel in der
englischsprachigen Presse:
http://electronicintifada.net/v2/article11151.shtml
http://www.haaretz.com/hasen/spages/1157044.html
Ja, und diese Angelegenheit steht
natürlich nicht alleine da. "Ha'aretz"
berichtet, diese Knesset sei die rassistischste seit der Staatsgründung: http://www.haaretz.com/hasen/spages/1157857.html
Die Probleme, die der
Zionismus in dieser Region schuf, können nicht mit einem Abkommen zwischen
Bibi und Abu Mazen gelöst werden, andererseits
hilft der andauernde blutende Konflikt in der Wilden Westbank nicht, um unsere
Gesellschaft gesünder zu machen.
Wir machen hier unser Bestes,
um herauszufinden, wie es sich gleichberechtigt zusammenleben lässt. Aber
wir brauchen dafür Unterstützung, sowohl materielle wie geistige. Wer
nur irgendwie kann, oder irgendeine Idee hätte, wir bedanken uns immer
sehr herzlich!
Schöne Ostern und
schönes (zweites) Pessachfest (das erste ist ja schon hinter uns) für
alle!
Uri
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