Nemashim

 Arabisch-Hebräische Theatergemeinschaft

 

Die beiden letzten Wochenenden des NEMASHIM-Seminars waren beide im März. Der erste gleich am Anfang, und ich möchte nur ganz kurz darüber berichten:

Das hauptsächliche Thema war: mit und ohne Maske!

Zum Beispiel übten wir “unsichtbares Theaters”, Theater von dem das Publikum gar nicht weiss, dass ein Stück sieht.

Zum anderen spielten wir mit den bemalten Masken.

 

 

Ein paar Video-beispiele:

Worm-up 1:  http://www.youtube.com/watch?v=cwadm25odxc   und 2: http://www.youtube.com/watch?v=yGpSI90V-VM

Kurze Dialoge in Kauderwelsch:

 http://www.youtube.com/watch?v=La3hns6xMZk  -   http://www.youtube.com/watch?v=L96r36vwHzg

Danach gingen wir zu Szenen über. Unter anderem bekämpften sich zwei Männer, ein Palästinenser und ein Israeli, bis dann „die Stimme des Friedens“ kam:   http://www.youtube.com/watch?v=b08ngeVojLA

 

                                          

 

 

Aber wir spielten auch Playback, sehr persönliches Theater, das auf sehr persönlichen Geschichten basiert, die ich hier nicht vermitteln darf.

Nur noch ein kleines Video vom nächsten Morgen: http://www.youtube.com/watch?v=kGr1N1YAdjU

 

: http://www.flickr.com/photos/9370585@N07/sets/72157600594269244/

 

 

 Zwei Wochen danach:

 

Das letzte Wochenende des NEMASHIM-Seminars.

Es war wie immer ein erlebnisreiches, turbulentes Theaterlernen zum einen, zum andern auch praktische Vorbereitung für die nächste Zukunft. Ich werde mich trotzdem kurz halten, um länger über das Feedback der TeilnehmerInnen zu berichten.

Am Donnerstagabend haben wir Musik zusammen gemacht. Die jungen Amateur-SchauspielerInnen sind natürlich keine Musiker, aber ein bisschen Musik kann jedeR machen...

Den Freitag starteten wir mit dem längst erhofften Treffen mit der Kommune, (hier kreuzen sich die beiden Berichte, von mir und von Amina), die Kommune, von der Amina regelmäßig berichtet. Nach einem gemeinsamen Gespräch machten die beiden Gruppen zusammen einen Bewegungsunterricht, und danach benutzten wir auch die Musikinstrumente von gestern. Ein kleines Videobeispiel: (alles improvisiert, natürlich)  http://www.youtube.com/watch?v=PU5NGeojows

Auch die ersten 65 Bilder hier im Album sind alle von diesem Treffen

 

Am Nachmittag beschäftigten wir uns mit politischen Fragen. Das erste Spiel war eine improvisierte Diskussion zwischen sieben verteilten Rollen zur Rekrutierungsfrage. Viele waren erstaunt zu erkennen, dass es mehr als zwei Meinungen gibt: gegen den Militärdienst oder dafür. Viele waren auch erstaunt zu hören, dass die Rekrutierungsfrage ein Thema ist auch für palästinensische Israelis. Natürlich hat die Stellung zum Militärdienst mit der politischen Meinung zu tun, aber auch mit der kollektiven Identität, und das war das zweite Thema an diesem Nachmittag: JedeR musste seine hauptsächliche Identität bestimmen: israelisch, zionistisch, palästinensisch, arabisch, muslimisch, jüdisch, Mann, Frau, JugendlicheR, atheistisch, links. Das fiel den meisten schwer, aber am interessantesten wurde es, als jedeR die Identität wählen musste, die ihm am meisten fremd ist, und dazu ein Fremdbild artikulieren, und zum Schluss herausfinden, warum er/sie trotzdem auch ein bisschen so ist. (Ich verweise da auf das Thema, über das Amina letztes Mal geschrieben hat (http://www.mideastweb.org/nemashim/januar2007.htm) und auf Dan Bar-On (zum Beispiel hier).

Am Abend erzählten wir uns wieder Geschichten, und dann führten je ein Sehender einen „Blinden“ im Raum herum, zuerst durch körperliche Führung, dann akustisch geführt: http://www.youtube.com/watch?v=qZ1IJXejq8A

 

Am Samstag dann übten wir Statuentheater, das war ein bisschen kurz, aber trotzdem sehr interessant. Die TeilnehmerInnen übten den Übergang von Besetzung und Unterdrückung in den besetzten Gebieten zur Idealsituation, von Unterdrückung der Frau zur Idealsituation und von Unterdrückung der Alten zur Idealsituation. Ich hab ein kleines Filmchen dazu geschnitten:

http://www.youtube.com/watch?v=NsUU5lT2h0s

 

Zeitungstheater:

Noch eine Form von Theater der Unterdrückten, und zwar mit dem Ziel zu zeigen, dass nicht alles, was in der Zeitung steht, genauso ist. In drei Gruppen wurden drei Szenen dargestellt, die ein anderes Licht auf die Ereignisse werfen, über die in der Zeitung geschrieben wurde.

Nach dem Mittagessen war gerade noch Zeit für letzte Improvisationen: JedeR wählte eine Figur, die er während des Workshops, also während der letzten sechs Monate gespielt hatte, und wurde dann vielfach mit neuen und komplizierten Situationen konfrontiert. Diese Improvisationen waren besonders gelungen, vielleicht, weil alle wussten: Ja, es ists zu Ende!

 

Das Photoalbum zu diesem Wochenende: http://www.flickr.com/photos/9370585@N07/sets/72157600594270454/

 

Es war das letzte Treffen des diesjährigen Seminars, deshalb schrieben uns die TeilnehmerInnen am Ende ihr Feedback auf das ganze Seminar des letztes halben Jahres:

 

Noga:

Das Seminar hat mir geholfen, mich weniger zu fürchten und zu entdecken, dass auch die Araber eine Seite haben, die keinen Krieg will. Ich weiss nicht, ob ich in Kontakt bleiben werde. Es gab da welche, mit denen ich gerne in Kontakt bleibe, und welche, mit denen ich nicht möchte, und das hat nichts mit Juden oder Arabern zu tun.

Ich hab viel Theater gelernt.

 

Iyad:

Meine Ansichten haben sich geändert, besonders was Theater anbelangt, und das Seminar ist natürlich daran beteiligt. Das Seminar hat mir geholfen, mit Schwierigkeiten in meinem Leben umzugehen, offener zu sein und mutiger. Es hat mir meine Selbstsicherheit gestärkt. Das wichtigste am Theaterspielen, ist Freude daran zu haben.

Ich war immer schon mit Juden in Kontakt, Juden sind Teil meines alltäglichen Lebens, und das muss so sein, und ist auch gut so, denn zusammen können wir die nationalen und kulturellen Unterschiede überbrücken.

Das unvergessliche Seminar wird Teil meines Lebens sein. Mein Traum ist lernen und noch mehr lernen, denn immer gibt es was zu lernen und zu verbessern.

 

Marwan:

Ja, ich glaube, da hat sich was geändert in meiner Denkensart. Und natürlich wird mich das auch künftig begleiten, denn ich lebe ja in einem jüdischen Staat. Das Seminar hat mich bereichert, sowohl was die Erfahrung und Information über die andere Nationalität anbelangt, als auch im Bereich des Theaters, und Freunde, und am wichtigsten: Theater. Das ist ein sowohl  wichtiges wie gutes Seminar.

Ich glaube, Juden und Araber können besser zusammenleben und sich besser kennenlernen. Ich habe gelernt, mehr darauf zu achten, was Juden über Araber denken.

 

Sapir:

Meine Meinungen  haben sich nicht geändert, und ich bin froh drum. Die Gruppe ist offen, und man kann wirklich über alles reden. Ich werde die neuen Freundschaften zu Hael, Marwan und Iyad, und die alten mit den Freunden in Newe-Shalom. Das Seminar hat mich sehr bereichert. Zuallerst im Beeich des Theaters. Ich habe Formen von Theater kennengelernt, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren, und ich habe gelernt, mit neuen Situationen auszukommen. Ich habe nur in drei Treffen dabei, aber ich habe viel dabei gelernt. Danke!

Meine Schlussfolgerungen:

  1. Ich habe ein Kratzen in der Stimme, von dem ich nichts wusste.
  2. Ich habe gelernt und erlebt, dass eingesetzte Arbeit in den Proben auf der Bühne sichtbar ist.
  3. Ich wurde bereichert im Politischen und Kulturellen – im Treffen mit der anderen Nationalität.

 

 Elad:

Ich habe gelernt zuzuhören, mich zu mässigen, andere kennenzulernen.

Beziehungen zu Arabern werde ich tagtäglich weiterpflegen, wie bisher. Ich habe Theater kennengelernt, das ich nicht kannte, ich habe über die arabische Kultur gelernt, und sogar ein bisschen arabisch. Ich habe gelernt, dass man miteinander sprechen muss. Wirklich miteinander sprechen. Sich nicht wegen seiner Gefühle schämen, oder wegen seiner Gedanken. Und auf der andern Seite sich nicht in einer Ecke begraben und sich die ganze Zeit entschuldigen oder andere beschuldigen.

Ich werde die neuen Freundschaften pflegen, und weiter Theater machen.

Eure Anleitung ist sehr gut!

Das Playback war ein unglaubliches Erlebnis. Das ist was ganz Besonderes, für jemand anders Theater zu spielen. Noch nie hab ich mich so bemüht auf der Bühne, wie als ich Marwans Rolle spielte.

 

Enav:

Die Inhalte im Bereich der Gesellschaft und des Theaters, die ich hier im Seminar erhielt, sind Dinge, die ich nirgendwo anders erhalten könnte. Ich bin sehr stolz auf mich und auf uns alle, dass wir dieses Seminar gemacht haben. Zweisprachiges, bi-nationales Theater ist eine schwierige Angelegenheit, aber wenn alle wollen und bereit sind, sich zu bemühen, dann lohnt sich jede Sekunde der Schwierigkeit wegen der Sprache, der Kultur und dem Benehmen.

Ich werde den Weg finden, dass Kultur, Sprache und Benehmen das Theatermachen nicht stören und der Gesellschaft helfen (einer der Wege ist Kauderwelsch, aber das ist nicht genug, es braucht was anderes, und ich hoffe, ich werde es eines Tages finden.)

 

 

Ha’el:

Im Grossen und Ganzen haben sich meine Meinungen nicht geändert. Was sich geändert hat, war die Meinung, dass alle Juden Araber hassen. Das Seminar hat mich bereichert und mich mir selber nähergebracht. Ich habe gelernt, dass alles möglich, wenn wir nur wollen.

 

Yael:

Ich glaube, das Wichtigste, was sich bei mir änderte, war meine Selbstdefinition. Aber meine politischen Meinungen haben sich nicht geändert. Ich habe gelernt, dass wir zur Kommunikation und zu gefühlvollen Beziehungen nicht unbedingt Sprache brauchen. Und die Kunst ist ein wundervolles Mittel, man kann ganz große Erfolge erreichen und Probleme lösen, politische, gesellschaftliche, persönliche usw.

Danke!

 

Das wars. Jetzt ist das 2006-2007-Seminar zu Ende, endgültig. Wie letztes Jahr haben wir auch dieses Jahr eine DVD gemacht. Wir verkaufen sie gerne, wir sind nämlich in ungeheuren Geldproblemen! Also schreibt mich an, wenn Ihr wollt. Ansonsten sind Spenden immer willkommen, Einzelheiten hier:

http://www.mideastweb.org/nemashim/deutsch.htm

Den Juden und den Christen wünschen wir Chag sameach und Frohe Ostern!!

Uri shani

 

 

 

 

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