NEMASHIM - palästinensisch-jüdisches Jugendtheater

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arab-jewish theater community

Communauté de théâtre hébreux-arabe 

شباب يعيشون مسرح

palästinensisch-jüdisches Jugendtheater

ðîùéí - ðåòø îùç÷ ùìåí

 

Letztes Treffen: März 2006

Und wieder einmal in Giv’at Haviva, kamen wir alle zusammen, alle außer Shir. Mohammad Mugrabi kam ein bisschen später und fuhr Freitag Mittag wieder weg, wegen Proben für ein Stück, an dem er teilnimmt. Und auch diesmal war Miriam Asnes wieder mit uns.

Donnerstag: Musik

Im ersten Teil spielte jede/r auf dem Musikinstrument, das er /sie von zu Hause mitgebracht hatte. Außerdem machten wir Musik mit unserm Körper, mit Händeklatschen und mit der Stimme. Ein besonderes improvisiertes Musikstück wurde eine Stimmübung, die ziemlich lange dauerte, in Stille begann, langsam, über vereinzeltes Murmeln, lauter wurde, bis zu enthusiastischem Geschrei und offenem, freien Gesang, und dann wieder zurück in eine lange Stille.

Im zweiten Teil stellt jede/r ein aufgenommenes Musikstück vor: Ahmed brachte eine CD mit orientalisch-osteuropäischer Fusion, die er von seinem Bruder erhielt (darum wusste er nicht, was genau es ist); Or brachte chassidische Musik; Sohar – ein israelisches Kinderlied; Renana kam mit einer Kassette (ein antiker Gegenstand!) mit einem Jazz-Duett, das sie an den allwöchentlichen Tanz mit ihrem Vater erinnert; Chaled brachte ein sehr bekanntes arabisches Hochzeitslied, das für ihn eine sehr spezifische Erinnerung an seine Cousine enthält, die wegen ihrer Hochzeit mit ihrer Familie gebrochen hat und darum von ihrem Onkel, Chaleds Vater, „adoptiert“ wurde.  Von Fatina hörten wir ein remix des Titelthemas von „titanic“; Yossi spielte uns eine Aufnahme eines Stückes von ihm selber vor; Noam brachte das sehr, sehr feine und stille Adagio aus dem Violinkonzert von Mendelssohn mit; und Daniel ein indianisches Gebet.

Die paar Worte jeweils, bevor wir das Stück hörten, waren sehr wichtig und aufschlussreich.

 

Freitag

Am Morgen bewegten wir uns ziemlich viel, und Afek, Michael und Hila von der diesjährigen Kommune kamen zu Besuch, um von der Kommune zu erzählen und um die „nächste Generation“ kennenzulernen.

Die erste Übung war eine Bewegungsübung im Raum  (ein kleines Videobeispiel), dann gingen wir über in contact improvisation (zwei kleine Videos: Rücken an Rücken und contact – zu diesem clip haben wir schon ein paar Stunden nach Hochladen eine Reaktion erhalten...)

Dann bat Schadi, die Musikinstrumente von gestern wieder herzubringen, und die improvisierte Bewegung wurde jetzt mit improvisierter Musik untermalt. Ein paar Videobeispiele:

Warten – Mohammad auf der Bühne, Afek spielt Gitarre

Chassidim, Mohammad und Hila improvisieren auf der Bühne, Or führt und reagiert mit Klarinette

Daniel und Ahmed

Chaled bezahlt für seine Opposition

 

 

Statuen

Der Abend begann mit Vertrauensübungen. Danach übten wir die Verbesserung unserer Gesellschaft durch Statuen der Unterdrückung: militärische, wirtschaftliche, sexuelle Unterdrückung. Wie aus den Videos zu ersehen ist, war es einfach für die jungen Israeli, die Unterdrückung zu erkennen und darzustellen, viel schwieriger war die Aufgabe, sich den Idealzustand auch nur schon vorzustellen.

 

 

Samstag

Zeitungstheater

Wir begnügten uns mit arabischen Zeitungen, und so waren die hebräischsprachigen Jugendlichen (die natürlich kein arabisch verstehen oder lesen) von ihren arabischen Kameraden abhängig, dass diese jenen vorlesen und übersetzen würden. Eine der Zeitungsartikel, die ausgewählt wurden, berichtete über Schülergewalt gegen Lehrer in einer arabischen Mittelschule in Galiläa. Im kurzen Video  interviewt eine Journalistin den Stadtpräsidenten (in hebräisch), der ihr auf arabisch antwortet, natürlich nicht, weil er kein hebräisch könnte, sondern um durch die Sprachwahl die ablehnende Geste auszudrücken. Eine andere Szene haben die TeilnehmerInnen auf dem Rasen inszeniert, was uns die Gelegenheit gab, Freilufttheater zu probieren. Kein hundert prozentig geglückter Versuch, aber immerhin. Einer der Nachteile kam sehr klar zum Ausdruck durch die faschistischen Nachbarn, die offenbar grad von Amona oder Hebron kamen, und die von „Giv’at Haviva“ merkwürdigerweise so gern beherbergt werden. Die absolute Spitze waren Hetzrufe wie „Tod den Arabern“, und das war nicht sehr angenehm.

Am Nachmittag begannen wir, das ganze sechsmonatige Seminar zusammenzufassen. Auf kleinen Zetteln stehen die Namen der TeilnehmerInnen und die Figuren, die sie während des Seminars gespielt haben, geschrieben. JedeR bekommt acht Zettel und muss sich seine eigenen Zettel durch Tauschen erhandeln. Danach wählte jedeR eine seiner Figuren aus, ging als diese Figur auf die Bühne, und alle andern intervenieren in kurzen Szenen mit der Figur. Renana wählte Ghazal (vom Januartreffen - Video), Or – Bibi Netanyahu (auch Januar), Ahmed – Ramzy (vom Novembertreffen - VIDEO), Jossi war Ido (Januartreffen) Jimmi wählte sich den Bürgermeister aus (Video), Sohar - Blanche vom Novembertreffen (VIDEO). 

 

Feedback

Ich schreibe hier ein Teil der schriftlichen Reaktionen der TeilnehmerInnen nieder. Die erste Hälfte ist aus dem Arabischen übersetzt, die zweite aus dem Hebräischen.

 

Fatina:

„Das Seminar war toll, schade dass es zuende ist... alle sind nett, und alle hier sind meine Freunde geworden, und ich hoffe, auch weiterhin in Kontakt zu bleiben. Meine Meinungen änderten sich ein bisschen. Ich liebte das Theater auch vorher, aber ich dachte nicht daran, Theater mit jüdischen Israeli zu machen. Jetzt weiss ich, dass das möglich ist. Das Seminar bereicherte mich zuerst mal im Bereich des Theaters, und auch persönlich, und ich habe meine Meinung gegenüber den jüdischen Israeli geändert. Ich möchte mit allen in Kontakt bleiben.“

Ahmed:

“Das Seminar gab mir viel im Bereich des Theaters und der jüdischen Kultur. Ich will den Kontakt erhalten, aber das hängt von der anderen Seite ab.

Es gibt eine Hoffnung, und das Zusammenleben ist möglich.

Was die Wohngemeinschaft angeht, ich weiss nicht. Der Gedanke ist verlockend, aber ich habe gewisse Befürchtungen.”

Mohammad Dschamal Abd („Jimmy“):

Meine Meinungen haben sich nicht verändert, denn ich lebe mit Juden schon seit immer, aber das Seminar war besonders gut. Ich fühle jetzt, dass wir alle wie Brüder geworden sind. Das war eine schöne Erfahrung für mich, und natürlich werde ich Kontakt erhalten mit den Freunden.

Das Zusammenleben von Juden und Arabern ist ein wichtig nationales Anliegen. Aber in der Wohngemeinschaft werde ich nicht mitmachen können, wegen der Arbeit.“

Chaled:

“Ein Teil meiner Positionen gegenüber den Juden haben sich verschoben, ich habe sie besser kennengelernt, wie sie denken und ihr Lebensstil. Das Seminar hat meinen Horizont erweitert, und ich fühle mich sicherer mit den Juden. In der Wohngemeinschaft werde ich nicht mitmachen können, wegen des Studiums.“

Renana:

“Ich könnte nicht behaupten, dass sich meine Meinungen geändert hätten, aber sicher erhielt ich Material zum Nachdenken.. viel!!

Das Seminar bereicherte mich sehr! In zusätzlichen Theatermöglichkeiten, im einenander Zuhören auf der Bühne, Improvisation, Mut, Sicherheit, eine andere Perspektive  mir selber gegenüber...

Ich habe herausgefunden, dass es ist nicht so schwer ist, Theater zu verstehen, auch in einer anderen Sprache. Die Nähe zu den Arabern ist mir nicht neu, ich lebe schon dieses in einer jüdisch-arabischen Kommune, aber ich habe gelernt, dass Theaterleute eine gemeinsame Sprache haben.

Ich möchte sehr gerne Teil der Wohngemeinschaft sein, um durch das Theater zu agieren, etwas in mir zu verändern, und, wer weiss... vielleicht in anderen.“

Jossi:

„Das Seminar veränderte etwas in meinem Unterbewussten. In meinem Kopf waren Sterotypen, die ich nicht wollte, und das Seminar hat sie weggeschmissen. Das Seminar har mir viel in Wissen und im Theaterspiel gegeben. Ich habe viel dazugelernt im Bereich der verschiedenen Theatertypen.

Menschen sind Menschen, die Kulturen sind ein wenig verschieden. Ich werde weiterhin Menschen als Menschen betrachten.

Sohar:

„Meine Meinungen haben sich sehr wohl geändert. Es fällt mir schwer, ganz allgemein, Kontakte zu pflegen. Aber in diesem besonderen Fall will ich meine Gewohnheit brechen. Ich erhielt Sicherheit, Mut, ich fühle mich frei, ich bin sicherer auf der Bühne, ich lernte neue Sorten von Theater kennen, die ich nicht kannte.“

Or:

„Meine Meinungen haben sich nicht verändert, aber die Erkenntnis von bestimmten Dingen schon. Ich wurde mir gewisser Vorurteile bewusst, die ich offenbar habe. Ich habe einen kleinen Uri im Kopf. Ich weiss nicht, ob die Freundschaften sich erhalten werden. Das Seminar bereicherte mich vor allem im Bereich des Theaters, aber nicht nur, auch im Treffen mit unsern „Cousins“, ein Treffen, das ohne Verschönerung und ohne Ignoranz der israelischen Wirklichkeit war.

Meine Konsequenz: Ich glaube, das Zusammenleben im Land hat eine Zukunft. Ich werde meine Konsequenzen auf der politischen Bühne weiterleben. Wie vorher, nur weniger faul.“

Daniel:

“Das Seminar hatte einen riesigen Einfluss auf mich. Abgesehen davon, dass ich unheimlich viel gelernt habe, haben sich viele Dinge für mich verändert, und meine Ansichten über Bühne und Theater haben sich geändert. Das Theater bringt riesige Befreiung mit sich.

Begegnung mit Arabern gab es auch vorher, aber jetzt, als ich mit Arabern ganze Tage und Nächte verbrachte, nachdem ich mit ihnen gesprochen habe und persönliche Geschichten gehört habe, ist meine Haltung eine andere. Ich verspüre Verständnis. Ich erkannte den riesigen Unterschied (ich habe gelernt, dass es einen Araber sehr beleidigt, wenn man ihn mit “du Hurensohn” anspricht), aber auch eine Menge gemeinsame Punkte. Natürlich werden wir weiterhin in Kontakt bleiben, am Telephon, e-mail und auch Besuche.

Das Seminar hat mir sehr viel gegeben. Ich habe viel über verschiedene Arten von Theater gelernt, und über das Leben überhaupt. Es gibt Menschen, die dich akzeptieren, so wie du bist. Auch wenn du sie nicht gefunden hast, sie existieren!

Ich könnte Bücher darüber schreiben, aber in Kürze: Das Seminar wird weiter in mir leben, weil es mir wirklich ans Herz gewachsen ist. Jedesmal, wenn ich nach Hause, hatte ich eine Menge Gedanken, die mich beschäftigten.

Der Kontakt mit den Leuten, mit euch, Uri und Schadi, Kontakt mit der Umgebung, ist mir am wichtigsten. Ich liebe das Theater, ich liebe Entwicklung, ich liebe die Bildung, ich liebe die Gesellschaft, ich liebe das Gestalten.“

 

Wie ich schon zu Beginn erwähnte, war auch diesmal Miriam Asnes dabei, und sie hat einen englischen Bericht geschrieben, der sich lohnt zu lesen, er ist natürlich anders als dieser da.

 

Bilder vom letzten Treffen

 

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