
Liebe Freunde!
Im Wonnemonat Mai hatten wir
zwei sehr verschiedene Aufführungen.
Die eine war anlässlich des
internationalen Pantomimefestivals in Shfa-Amru. An
diesem besonderen Festival habe wir schon mehrmals teilgenommen, das erste mal
hab ich ein wenig darüber geschrieben (http://www.mideastweb.org/nemashim/mai-2005.htm),
und dieses Jahr fand es zum 6. Mal statt. Jedes Jahr kommen Künstler aus
aller Welt, und auch dieses Jahr konnten wir das deutsche Paar http://www.metroccolis.com bestaunen und
den verzauberten Tanz des italienisch-französischen Paares bewundern.
Wir haben ein kurzes
Stück gezeigt, das sich mit den Aufnahmekommissionen befasst, die in jeder
kleinen Siedlung existieren, sei es ein Kibbutz oder
ein Moshav oder eine andere Siedlungsform, und
beschließen, wer in ihrer Siedlung wohnen darf und wer nicht. Mehr
darüber in den beiden letzten Berichten:
http://www.mideastweb.org/nemashim/februar2010.htm
http://www.mideastweb.org/nemashim/maerz2010.htm
Für das
Pantomime-Festival haben wir die erste clip-artige Szene erweitert und etwas
zugleich Komisches, aber auch Aussagekräftiges daraus gemacht.
Eine Woche später nahmen
wir am Aktivismus-Festival teil, auch dies schon Tradition:
http://www.mideastweb.org/nemashim/Festival-Bericht.htm
http://www.mideastweb.org/nemashim/juni2005.htm
Seit 2005 haben wir nicht
mehr teilgenommen, ganz einfach weil es fünf Jahre kein
Aktivismus-Festival mehr gab. Ich war sehr froh zu hören, dass diese
Initiative erneuert wurde, allerdings war ich nicht mit dem Ergebnis zufrieden.
Das diesjährige Festival, im Gegensatz zu demjenigen im Jahre 2005, das im
Herzen der arabischen Stadt Lydda stattfand, war ein
wenig "weltfremd" für meine Begriffe: draußen im Walde
wurde der Natur gehuldet. Dagegen habe ich eigentlich
nichts, nur waren halt die Teilnehmer sehr homogenen Ursprungs, und als ich
mich dann in Arabisch ans Publikum wandte, sah ich in den Gesichtern, dass
keiner mich verstand. Ich glaube kaum, dass jemand dort daran dachte, dass
dieses hübsche Wäldchen auf den Ländern des Dorfes Walaja blüht, das 1948 von der Etziyyoni
Brigade während der Operation "Dani" erobert wurde und dessen 1600
Bewohner Flüchtlinge wurden. Alle seine 320 Häuser mitsamt der Schule
und der Moschee wurden zerstört. 100 von den Flüchtlingen
gründeten damals zwei Kilometer südlich, auf der andern Seite der
neuen Grenze, ein neues Dorf. 1967 wurden sie wieder von Israel erobert, und
die Hälfte des neuen Dorfes gehört heute zu Groß-Jerusalem,
ohne dass die Bewohner zu Israelis geworden wären, was bedeutet, dass
diese Menschen ungesetzlich sind. Ein großer Teil der neuen
Ländereien von Walaja (nach 1948) wurden
konfisziert zum Bau von Gilo und Har Gilo, und in diesen Wochen wurde mit dem Bau der Mauer
begonnen, die den Rest des Dorfes zu einem Ghetto machen soll, das mit einem
Tunnel mit Bet-Jalla und Betlehem
verbunden wird. (mehr
darüber)
An all dies denkt keiner in
dieser schönen Waldidylle.
Nachdem wir zwei Stunden lang
einen passenden Tisch suchten, der das Hauptelement im Stück ist, konnten
wir hier im Wald westlich von Jerusalem das Stück in der ganzen Länge
spielen, das heißt als Forumtheater, und tatsächlich war die
Diskussion mit dem Publikum sehr angeregt. Je mehr wir das Stück spielen,
desto mehr wird uns klar, das es eine Menge von Israelis gibt, die eigentlich
gerne in so einem Dorf mit hohem Lebensstandard leben würde, und auch sehr
viele tatsächlich abgewiesen wurden. Und immer wieder und wieder stellt
sich die Frage: Wer gibt einer kleinen Anzahl von Menschen eigentlich das Recht
zu entscheiden, wer auf diesem Land leben darf, das ihnen vom Staat geschenkt
wurde, der es vorher den Araber abgenommen hatte?

Ein Filmchen auf youtube von unsrer Aufführung im März: http://www.youtube.com/watch?v=wSrIoTkBgRI
Nun kann ich kaum so einen
Bericht herumschicken, ohne zu den grässlichen Ereignissen Stellung zu
nehmen, die seit drei Tagen alle beschäftigen. Ein Schweizer Freund fragte
mich, wie ich die Reaktion der israelischen Regierung einschätze. Ich bin
nicht sicher, ob ich seine Frage verstanden habe, aber hier jedenfalls meine
Antwort:
Israel hat es wieder einmal
geschafft, ein Verbrechen der israelischen Öffentlichkeit so zu verkaufen,
dass der allergrößte Teil mit der Regierung mitjammert. Die PalästinenserInnen natürlich nicht. Aber die sind
Barak genauso egal (obschon sie fast 20% der
Wählerschaft ausmachen), wie 2001, als er deswegen die Wahl gegen Sharon
verlor. Auch die Welt ist der israelischen Regierung egal, und insofern kann
diese Regierung zufrieden sein. Bis jetzt hat ihr auch tatsächlich niemand
auf die Finger gehauen. Aber das könnte plötzlich geschehen, und dann
wird die Regierung wieder jammern, genau wie gestern, als die armen Soldaten so
überrascht wurden, durch ein bisschen Widerstand. Sie wird jammern und
überrascht sein, obschon sie ja schon heute sagt: "Die ganze Welt ist
gegen uns, und das ist uns scheißegal."
Die Lage scheint auf den
ersten Blick aussichtslos: die verhetzten Massen in Israel werden sich nicht
mit den PalästinenserInnen solidarisieren, und
so wird sogar eine durchaus faschistoide Regierung, die jetzige, noch weiter
ungestört Blut vergießen können. Dieselben Massen werden sich
nur mit sich selbst, mit ihrer eigenen Misere solidarisieren, und damit dies
Früchte trägt, müssen die Menschen hier verstehen, dass an ihrer
Misere ihre gewählte Regierung und das dahinterstehende Kapital schuld
sind. Nicht Araber, nicht chinesische Arbeiter, nicht philippinische
Pflegerinnen, nicht grüne Umweltschützler
und nicht linke Solidaritäts-Aktivisten.
Und noch ein Wort zur
internationalen Ebene: Die "Analyse" "Die ganze Welt ist gegen
uns" stimmt zwar nicht, wird aber je länger desto wahrer. Schwer zu
sagen, ob dieser Prozess wünschenswert ist von seiten
der israelischen Regierung, von seiten der Menschheit
ist er es nicht, denn dies bedeutet nur noch mehr Krieg und Blut und
Tränen. Im Gegenteil: Wer sich für Frieden und Gerechtigkeit
einsetzt, sollte bei jeder Gelegenheit betonen, dass er nicht gegen Israel sei,
genau wie es Noam Chomski jetzt wieder tat, nachdem ihm die Einreise ins Land
verweigert wurde. Und trotzdem ist es absolut dringend notwendig, ganz scharf
und eindeutig die Taten zu verurteilen, die sich diese Regierung
erlaubt, und deutliche Schritte, diplomatische und ökonomische, zu
unternehmen, um dieser Regierung zu zeigen, dass die Welt dies nicht billigt!!!
(In Klammern erlaube ich mir
zu erwähnen, wieder einmal, dass ich natürlich von ökonomischen
Schritten schreibe gegen die israelische Regierung und das israelische Kapital.
Vielleicht hat der eine oder andere es schon gemerkt, dass ich mich und unsre
Theatergruppe weder zu diesem noch zu jenem zähle.)
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