Januarbericht
Der Lehrerstreik ist zu Ende.
15 Minuten (ja, wirklich 15 Minuten!) bevor die Lehrer vom Gericht fast ans
Lehrerpult gefesselt wurden, hat das Radio bekannt gegeben, dass offensichtlich
ein Vertrag zwischen Gewerkschaft und Regierung unterschrieben wird.
Am Sonntag beriet sich das
Arbeitsgericht den ganzen Tag, ob auch die HochschullehrerInnen
per Dekret zum Lehren gezwungen werden sollten. Die israelische Regierung hat
offenbar das griechische Ideal vor Augen, als vor 2500 Jahren die Lehrer
Sklaven waren.
Während des
Lehrerstreikes war es für die Kommune sehr schwierig, SchülerInnen
für die verschiedenen Workshops zu rekrutieren, aber langsam bilden sich
all diese Workshops.
Schon zweimal hab ich
über die neue Kommune berichtet, aber ich möchte die fünf jetzt
mal persönlich vorstellen:
Sapir Heller- Alter 18.5 , in Gan Yavne aufgewachsen. Ich lerne Theater in der Schule, seit
ich 12 bin. Ich habe an jüdisch-arabischen Treffen in Giv'at
Haviva teilgenommen. Neben meiner Aktivität hier
lerne ich dieses Jahr einen Kurs über das Theater der Unterdrückten
im Al-laz Theater in Akka.
In Zukunft
möchte ich gerne professionelles Theater studieren, und zwar wie Bertolt
Brecht Theater in Deutschland gemacht hat.
Ich denke, daß die Beziehungen zwischen Juden und Araber in
Israel falsch sind. Die Regierung macht keine Bemühung, die Situation zu
ändern und darum ist die Arbeit, die wir hier machen, sehr wichtig. Hier
versuchen wir, Vorurteile vieler Leute in Halissa und
in Haifa durch Theater zu ändern. Ich denke, in einem Gesetzesstat sollten
Menschen in Toleranz miteinander leben und den Andern akzeptieren. Ich
versuche, diese Ansicht so viel Menschen wie möglich weiterzugeben, und
ich hoffe, daß eines Tag ein
palästinensischer Staat neben dem Israel existieren wird und die
jüdische und die arabische Bevölkerung nebeneinander als gute
Nachbarn leben werden.
Elad Iztkovitsch- Alter 18.5 , im Moshav
Tel-Mond aufgewachsen. Ich lernte Theater in der Mittelschule und bin besonders
begeistert von alternativem Theater, Bewegungstheater und Stand-Up
Comedy. Hier in Haifa belege ich einen Kurs in
medizinischem Clownstudium.
Ich möchte
arabisch lernen und verschiedene Kulturen innerhalb von Israel mittels der
Kunst überbrücken. Meine Freundschaft mit Marwan
ist nicht, weil er ein Araber ist und
ich jüdisch bin. Marwan ist ein Freund für
mich genauso wie alle meine anderen Freunde. Als ich in die Kommuna
kam, betrachtete ich ein Zusammenleben mit Arabern als Abenteuer und jetzt
ist es etwas ganz Gewöhnliches geworden. Es ist hart für mich zu
verstehen, warum dies in Israel nicht normal ist. Ich stoße auf
eine Menge Widerstand von Juden und Arabern zur Koexistenz, besonders von
meinen Freunden, Verwandte, Nachbarn und von Leuten, die hier mit mir im
Stadtviertel arbeiten. Es ist schrecklich, dass ich immer höre, daß Araber und Juden nicht zusammenleben sollten, der
Satz beginnt immer mit den Wörtern: “ es ist nicht recht“, oder „es ist
falsch“. Ich sage ständig, daß Frieden
kommt, wenn es genügende Leute gibt, die es wünschen. Araber und
Juden sind Vetter und unser Schicksal ist identisch und gemeinsam. Was für
Juden schlecht ist, ist für Araber schlecht, und wenn es für die
Araber schlecht ist, ist es ist immer schlecht für die Juden. Dieses ist
eine Sache, die Leute nicht verstehen, besonders die israelische und die
palästinensische Regierung. Wir beeinflussen und werden beeinflusst durch
das Zusammenleben. Ich wünschte, daß die
ganze Welt wüsste, was wir hier machen. Ich denke, daß
es eine Schande ist, dass so ein Projekt finanzielle Probleme hat. Ich
wünschte, daß sich mehr Leute
interessierten.

Marwan Murra- Alter 19.5 , in Nazareth aufgewachsen.
Vom Alter von 11 lerne ich in Theater . Ich war auch in der ersten arabischen
Gruppe, die in „Ztavta“ in Tel Aviv ein
Theaterstück aufführte. Es ging um die soziale und wirtschaftliche
Situation in Nazareth. In der Schule inszenierte ich ein Stück, das hieß
„Zaaim Al Shamteen“,
für das ich Lieder schrieb und sang. Ich lernte das Breakdance lieben. Außerdem liebe ich Pantomime.
Ich erwäge Pantomime als Beruf zu studieren.
Einav Hecht: 18.5 Jahre alt. In Kfar
Ben Nun aufgewachsen. Leider habe ich keine reiche Erfahrung in Theater, aber
die Neigung dazu war immer in meinem Blut, seit ich ein kleines Mädchen
war. Ich lernte Arabisch in der Schule 10 Jahre lang, 4 von ihnen in Newe Schalom. Die wenige
Theatererfahrung war erfolgreich, was mich anspornte, Uri Shanis
Theaterkurs zu versuchen und mich für die Kommune zu interessieren. Eins
meiner Ziele für dieses Jahr ist, soviel wie möglich im Thema des
Theaters zu studieren, um mich am besten für meine professionellen Studien
in der Universität nach meinem militärischen Service vorzubereiten.
Ich bin interessiert , zukünftig berufsmäßig im Theater zu
arbeiten.
Ich
denke, daß es wichtig ist, über das
schwierige Verhältnis zwischen Juden und Arabern hier im Nahen Osten zu
informieren. Zusammenarbeit in Richtung zwei Staaten: Israel und
Palästina, ist der einzige Weg, sonst wird weder Israel noch
Palästina bestehen.

Yael Saedi: 18 Jahre alt , in Ramat Gan
aufgewachsen. Ich lerne Theater seit meinem 6. Schuljahr. Hier in Haifa belege
ich einen Kurs in medizinischem Clownstudium.
Elad arbeitet mit jüdischen (äthiopischen und russischen) Kindern im
Alter von 4-
Außerdem
arbeitet Elad im Theater Lahatav-
eine Gruppe von lesbischen, homosexuellen und bisexuellen Jugendlichen. Als
Teil seiner pluralistischen Ideologie leitet Elad
diese Gruppe als Heterosexueller zusammen mit Or von
der letztjährigen Kommune. Die Gruppe trifft
sich einmal die Woche.
Sapir
und Yael leiten zusammen einen Theaterkurs für
11-12-jährige Kinder in Ramot Remez. Die Gruppe trifft sich einmal wöchentlich.
Einav leitet einen Theaterkurs für 13-15-jährige arabische junge
Frauen in Halissa. Die Gruppe trifft sich zweimal die
Woche.
Marwan unterrichtet eine äthiopische Gruppe im
Alter von 10-15 breakdance.
Zwei weitere Wochenende des
neuen NEMASHIM-Workshops:
Zweites
Treffen des 6. Nemashim-Seminars 2007-2008
Wo: Wieder Ness Amim,
trotz der schrecklichen Akustik.
Die Leute, die kamen:
Jonathan, Tali, Yoni, Biki, Dana, Miar. Neue
Mitglieder: Gal, Shani, Yuval und Mona.

Freitag.
Bedeutung
der Tradition in meinem Leben
Wir beginnen das zweite
Treffen mit einer Aktivität zu diesem Thema, und im danach folgernden
Gespräch wurde aus irgendeinem Grund am meisten weder über Religion
noch über Tradition, sondern über die Shoa
gesprochen. Offenbar ist die Shoa in der Tat die
Religion des weltlichen Israels geworden. Und vielleicht deswegen „konterte“
Mona mit „dem palästinensischen Problem“.
Abendessen
Jetzt fing es an, zu regnen.
Aus irgend einem Grund regnet es meistens während unserer Seminare. Das
ist meine Erfahrung der letzten sechs Jahre. Auch in Ramle
war das so. Das Gebäude, in dem wir arbeiten, ist eine Art Kirche mit
einer sehr hohen Decke, die ist nicht wasserdicht, anscheinend. Es gibt einen
bestimmten Punkt, der eine Pfütze macht, wenn es regnet. Wie immer, nahmen
wir am traditionellen „Begrüßen des Shabbat“
-Abendessens dieses christlichen Dorfs teil. Einige genießen es mehr,
einige genießen es weniger…
Monologe
(ein Teil bauten auf die letzte Übung des letzten Treffens auf)
Es gab einige sehr
interessante Sachen.
Dana von Hadera
spielte eine junge Frau, die im Konflikt steht zwischen ihrer
palästinensischen Identität und ihrer israelischen
Staatsbürgerschaft mit den sozial-wirtschaftlichen Vorteilen. Yoni stellte einen jungen Mann dar, dessen Schwester von
der Polizei vier Jahre vorher ermordet wurde und dessen Fall nur jetzt
nachgeforscht wurde. Tali spielten eine
bürgerliche Haushälterin, deren Vergangenheit als Beduinin sie
verfolgt zur Mörderin macht.
Die neuen Mitglieder spielten
Monologe, z.B. Yuval, der einen Monolog aus
“Draußen vor der Tür” von Borchert spielte (von mir übersetzt).
Einige fanden nachts bereits
heraus, daß es kein Heißwasser in den
Dusche der Jungen gibt. Einige fanden es erst morgens heraus.
Samstag
Frühstück
Pantomime
Wie immer: Nach einem
ausgiebigen Unterricht übten je zwei eine kleine Szene, wie zum Beispiel,
wie Mona und Shanis, mit Polizeioffizier und
Gefängnis und Ausbruch (siehe video).
Mittagessen
Forum-Theater
Wir teilten die Gruppe in
drei kleinen Gruppen, jede Gruppe mußten
entschieden was zu tun.
Zwei videoclips:
“Apartheid in Petah Tikva“ und „Das Fälschen”
Mehr Fotos hier.
Drittes
Treffen:

Am letzten Wochenende trafen
wir uns zum dritten Mal.
Am Freitagabend zeigten die TeilnehmerInnen Szenen, die sie eingeübt hatten, wie
zum Beispiel diese Szene von Muna und Miyar, in Arabisch, mit ein paar englischen Untertiteln:
http://www.youtube.com/watch?v=qa5vXPe02SA
An dieser Szene entfachte
sich eine rege Diskussion über den Zionismus, und um 23.00 Uhr suchten wir
den Weg in die Zimmer durch die kalte Nacht.
Um es kurz zu fassen: Es war
sehr sehr kalt!!
Darum begannen wir den
Samstagmorgen, nach einer frostigen Nacht mit einem ausgiebigen Worm-up
(video
hier: http://www.youtube.com/watch?v=X4csCtI2jKE )
Am Vormittag zeichneten die TeilnehmerInnen eine gemeinsame Zeichnung, auch dazu ein video: http://www.youtube.com/watch?v=VT-xqWy7E2E
In ihrer Ecke zeichnete Muna eine palästinensische Flagge, in der nur die rote
Farbe das vergossene Blut symbolisierte. Im Gespräch danach erklärte Muna, dass die bleiche Flagge die Kraftlosigkeit des
palästinensischen Volkes gegenüber der zionistischen
Überschwemmung der letzten hundert Jahre darstelle.
Nach dem Mittagessen spielten
wir mit den weißen Masken, die wir am Vortag hergestellt hatten.
Video: http://www.youtube.com/watch?v=RQ6mvYpJrSA
Ein interessanter Artikel zur
neutralen Maske, in Deutsch, hier:
http://www.kita-bildungsserver.de/fileadmin/includes/do_download.php?did=36
In unserem Fotoalbum
sind sehr viele Fotos von diesem Wochenende zu finden.
Ich glaube, das reicht
für heute. Bis jetzt hab ich kein Wort zu unserm leidigen Thema Geld
gesagt. Nur ist es immer noch leidig. Irgendwie machen wir weiter, aber die
ständige Existenzangst tut weder uns noch dem workshop
noch der Kommune gut. Die Energie ist lau, und könnten mehr und besser
sein, das ist klar, wenn wir auch nur ein bisschen mehr Spielraum hätten. Leider
erhielten wir von unsern Spendenaufrufen in den letzten Monaten nur sehr wenig,
zu wenig, Geld, und wir hoffen, es wird in Zukunft mehr sein.
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