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Liebe Freunde!

Mehr als ein halbes Jahr habe ich mich nicht gemeldet. Es ist also wieder mal an der Zeit. Unser neues Forum-Stück heißt "Aufnahmekommission". Es geht vor allem um etwas sehr Aktuelles, das in den letzten Wochen mehr und mehr Gemüter bewegt. Zuerst einmal eine persönliche Geschichte, die das Thema veranschaulicht. Ich erhielt diesen Text heute morgen (Fr., 5.2.10) und hab ihn sofort übersetzt"

 

 

 

Das Archie Bunker-Gesetz

 

Shalom!

Mein Name ist David, und ich bin israelischer Staatsbürger, aber ich habe ein kleines Problem: Ich bin ein Sohn von Shoa-Überlebenden, und ich leide an Dysthymie. Dysthymie ist eine chronische depressive Verstimmung, nicht weiter schlimm. Auch meine Frau hatte eine schwere Kindheit, und sie hatte keine Möglichkeit, ein Gymnasium zu besuchen. Wir leben im Zentrum von Israel, mit Familie und einem normativen Leben wie die meisten Staatsbürger. Wie die meisten haben wir einen Traum, ein kleines Haus zu besitzen mit einem Garten, kleine Kinder, die auf dem Rasen spielen, und wenn's geht – einen Hund.

Vor drei Jahren sahen wir die Inserate über das "griechische Dorf" im Kibbutz Mayan Baruch. Das ist der Name des neuen Dorfviertels, das auf dem Boden des Kibbutz gebaut wird. Das heißt: Im Dorf werden Menschen in zwei Klassen leben: Die Kibbutzniks und die Städter. Die Städter leben wie an jedem andern Ort, also ist die Familie zum Beispiel auch eine eigenständige ökonomische Einheit. Die Beziehungen mit den Nachbarn – wie in der Stadt: man kann sich kennenlernen und Freunde werden, es kann auch bei einem höflichen "shalom-shalom" bleiben, oder überhaupt gar nichts. Es gibt keinen Zwang, alle Dorfbewohner kennenzulernen.

Der Gedanke, im nördlichsten Galiläa zu leben, hat uns gefallen, mit guter Luft und der Nähe zu den Quellen des Jordans. Wir wollten unsere Lebensqualität verbessern, und es stimmte mit unserer Ansicht überein, dass die Bevölkerung nicht im Zentrum zusammengepresst sein sollte. Heutzutage, mit Internet, ist es nicht mehr ganz so wichtig, auch was die Arbeit anbelangt, wo man wohnt.

Ich fuhr nach Mayan Baruch, ich habe die Papiere unterschrieben und die Einschreibegebühr bezahlt, um mir ein Stück Land zu sichern. Da erfuhr ich, dass eine Aufnahmekommission uns prüfen müsse. Der Landverkäufer erklärte mir, dies sei ein formaler Schritt, und fast jeder wird von der Kommission aufgenommen. Im Internet stand, es würden nur "qualitative Menschen" aufgenommen. Ich dachte nicht, dass wir einen Mangel hätten, das uns behindern würde, aufgenommen zu werden. Aber ich täuschte mich.

Ich kann mich gut an so gewisse Gruppen erinnern, als ich noch nicht verheiratet war. Leute, die sicher waren, sie seien besser als andere, und sie wollten keine "nicht passende" akzeptieren. Aber dies waren private Gruppen, und sie hatten das Recht dazu. Hier geht es um eine staatliche Institution, das ILA, das die Länder des JNF (Jewish National Fond) verwaltet.

Ich habe die negative Antwort der Kommission nicht akzeptiert. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass keine Behinderten, keine Homosexuellen, keine alleinerziehende Mütter, keine Äthiopier und auch keine andere Dunkelhäutige die Kommission überstehen.

Nachdem wir auch nach einer Appellation nicht angenommen wurden, haben wir uns ans Höchste Gericht gewandt, zusammen mit der "The Association for Civil Rights in Israel". Das Höchste Gericht hat zu diesem Thema schon in der Sache "Adel Kaadan" Stellung genommen, und die Richterin Dorit Beinisch verlangte in unserer Sache jetzt vom Kibbutz und von der ILA auf zwei Fragen zu antworten: 1. Warum sie nicht daran interessiert seien, dass wir in Mayan Baruch wohnten? Und 2. warum die Regelung der Aufnahmekommissionen nicht geändert werden sollte. Bis jetzt erhielten wir keine Antwort auf diese Fragen.

Inzwischen hat sich noch eine andere Familie, ein arabisches Paar, das vom Dorf Rakefet nicht akzeptiert wurde, an das Höchste Gericht gewandt. Aber die meisten Proteste gegen die Kommissionen kommen von jüdischen Familien.

Wir waren entsetzt, als wir hörten, dass ein jüdisches Parlamentsmitglied ein Gesetz vorgeschlagen hat, das die se Kommissionen legalisieren soll, um das Höchste Gericht zu übergehen. Ich verstehe nicht, wie die Knesset, die sich um das Wohl aller Bürger sorgen sollte, nur eine kleine Minderheit unterstützt. (Und die Trennung oder Isolierung, die sie schaffen wollen, ist ja auch gar nicht in ihrem Interesse.) Ich verstehe nicht, wie ein Jude, nach allem was den Juden widerfahren ist, überhaupt so eine Idee haben kann.

Versteht Ihr denn, was die Konsequenz von so einem Gesetz sein wird? – Apartheid. Es wird die Akzeptierten geben, und die Ausgeschlossenen. Ein Kastensystem wie in Indien. Der Gram, der jetzt schon an der gesellschaftlichen Solidarität frisst, wird immer tiefer greifen. Und glaubt ihr, das ist gut für die Sicherheit? Ein Ausgestoßener, dem sein ganzes Leben gesagt wurde, es gäbe bessere, wird der sich für den Militärdienst melden?

Wir werden schlimme Zeiten erleben, Aufstände, die blutiger sein werden als alles bisher erlebte.

Aber ich werde nicht aufgeben. Ich möchte ein normales Leben führen, wie ihr.

 

David.

 

 

Es gibt aber auch eine große Gruppe von Leuten, die selber in solchen Dörfern leben und sich jetzt gegen diesen Rassismus wehren, deren Geiseln sie selber sind. (Ja, es geht tatsächlich um Rassismus, denn die Befürworter des Gesetzes benutzen die Ängste der hebräischsprechenden Bevölkerung vor einer "arabischen Invasion", um das Gesetz zu legitimisieren.)

Die Gruppe, die das rassistische Gesetz bekämpft, hat auch eine website, aber bisher nur eine Seite in Englisch: http://www.atidmisgav.org.il/?page_id=84

 

Unser Stück ist natürlich auch für andere Situationen handlich: An wen werden Studentenwohnungen in den Universitäten vergeben? Auch hier gibt es Rassismus, vor allem gegen arabische StudentInnen. Und andere Kommissionen sind nicht besser. Die Kommissionsmitglieder in unserm Stück tragen weiße britische Perücken und sind sehr höflich. Wir wollen dadurch auch eine Verbindung herstellen zwischen Kolonialismus und Rassismus.

Nicht alle Schauspieler in der Gruppe haben ursprünglich zu NEMASHIM gehört, aber ein Teil davon: Khaled war im vierten Workshop und in der Kommune, Ion war im fünften Workshop, Miar und Gal waren im sechsten Workshop und in der Kommune.

 

 

Zum Schluss noch die letzten Nachrichten: Im letzten Jahr, seit Bildung der neuen Regierung, häufen sich die Gesetzesvorschläge, die die israelischen Gerichte zu umgehen versuchen. Das hier angesprochene Gesetz ist nicht das erste. Jetzt wurde ein Gesetz vorgeschlagen, das erlaubt, ein Gesetz durchzusetzen, auch wenn es vom Gericht als ungültig und grundgesetzeswidrig gestoppt wurde.

Und die Leute von ACRI ("The Association for Civil Rights in Israel"), mit der David vor Gericht geht, wird in der letzten Woche als übelste Verräter verschrien, die Israel an Goldstone verrieten. (siehe hier: http://www.jpost.com/Israel/Article.aspx?id=167527 in english)

 

Aber eines sollten wir nie vergessen: Wir sind die einzige Demokratie im Nahen Osten!

 

Uri

 

Dieser Bericht befindet sich auch hier:

https://antifaschista.wordpress.com/2010/02/14/das-archie-bunker-gesetz/

 

 Das Buch über NEMASHIM:

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