Liebe Freunde!
Letzte Mal
habe ich Euch vom Pantomimenfestival in Shafr-Amr
berichtet, an dem wir teilgenommen haben, heute freue ich mich, Euch von einem
Theaterfestival zu berichten, das wir selber organisiert haben.
Das Theaterfestival Neve Yossef, am 10. und 11. Juli, mitten in der schlimmen Eskalation im
Süden und im Norden, ist der bisherige Höhepunkt unserer
Aktivität in Haifa.
Bevor ich darüber
berichte, möchte ich nur kurz über alles andere berichten, was wir in
den letzten zwei Monaten sonst noch in Neve Yossef und in Halissa gemacht
haben.
Ortal und Afek
organisierten einen Theaterspass mit 30 arabischen
Kindern in Halissa.
Ende Mai führten die
beiden wieder einmal „Bla-Bla“ auf, ein wortloses
Kinderstück, das wir zum erstenmal im Dezember in Leo-Baeck
aufgeführt haben. (Bilder)
Diesmal spielten wir das Stück über den Streit der beiden Kinder „zu
Hause“ auf, im Gemeindezentrum von Neve Yossef, vor „unsern“ Kindern.
Auch im Mai sammelten wir
diejenigen Workshop-TeilnehmerInnen, die die
nächste Kommune bilden werden, ab August, zusammen mit Amina aus
Wiesbaden, von der Ihr sicher noch viel hören werdet. Ein englischer
Bericht über dieses Wochenende: hier
Im Juni dann organisierten
wir die dritte und letzte „Bauchtanz“-Party, diesmal nicht nur für Frauen.
Die Strassentheatergruppe von Michael und Javier
überraschte mit einer einmaligen Aufführung, während der das
Publikum aufgefordert wurde, Javiers Haarschopf zu schneiden.
Hila und Afek
nahmen im Juni auch am ersten talk peace make peace – Treffen in Istanbul teil. Dieses Projekt ist wie
unseres eines der Projekte des friendshipvillages, und diese Art von Verknüpfung ist
gut und wichtig.
Nun will ich über das
Festival berichten:
Dieses Jahr arbeitete ich
unter anderem auch als Dozent an der Uni Haifa, und ich amtierte als
künstlerischer Leiter dieses Festivals. Mehr als 20
Theater-Aufführungen während zwei Tagen, von 11 Uhr morgens bis 11
Uhr nachts, ausserdem gab es Musik- und
Tanz-Auftritte, Filme wurden gezeigt, alles Werke unserer Nemashim
und der StudentInnen der Uni Haifa und der Amateur-SchauspielerInnen aus Neve Yossef, mit denen die Nemashim
und die StudentInnen während des Jahres
gearbeitet hatten.
Anlässlich der
festlichen Eröffnung des Festivals sprachen der Leiter des Gemindezentrums, der stellvertretende Stadtpräsident,
die stellvertretende Präsidentin der Uni Haifa und andere, und alle lobten
und preisten die Zusammenarbeit der Uni mit dem Gemeindezentrum, aber vor allem
die Arbeit unsrer Kommune in der Gemeinde.
Auf der Bühne wurde
hebräisch gesprochen, aber auch arabisch, russisch und amharisch.
Unser hauptsächliches
Ziel war es, in erster Linie Publikum aus der Gemeinde selber zu den
Aufführungen zu bringen, und ich finde, wir haben in diesem Bereich gute
Arbeit gemacht. Während zwei Tagen war der ein bisschen enge Ort
vollgestopft mit sehr gemischtem Publikum: kleine Kinder, grosse
Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Alte, äthiopische, russische und
andere Juden, christliche und muslimische Araber aus Israel und zugezogene aus
dem Libanon und den besetzten Gebieten (Kinder ehemaliger Kollaborateure). Aber
nur ein einziges Mal mussten wir ein Stück einer jüdisch-arabischen
Jugendtruppe unterbrechen und von vorne beginnen, weil das Publikum zu
enthusiastisch war. An jedem der beiden Tage, jeweils um 6 Uhr am Nachmittag
durchzogen wir die Umgebung mit einer langen, farbigen, lustigen und lauten
Prozession, allerdings am zweiten Tag war die Prozession weniger lustig und
laut, denn die Polizei bekam offenbar Wind davon, und die Polizei hat allzu
Lustiges bekanntlicherweise nicht gerne (das Wort „bekanntlicherweise“ existiert offiziell nicht...)...
Die Uni Haifa hat für
dieses Festival tief in die Tasche gegriffen, und das ist löblich!
Natürlich hätte solch ein Projekt nicht zustande kommen können,
ohne diese Hilfe. Eine ähnliche Hilfe erhalten wir ansonsten von niemandem
in Israel während des Jahres.
Ich lade Euch ein, fast 150
Photos hier zu besichtigen:
http://www.flickr.com/photos/9370585@N07/sets/72157600594116735/
Aber das Leben (und das Sterben) geht weiter, auch nach dem Festival. Hier
im Nahen Osten ist das Sterben integraler Teil des Lebens, und wir arbeiten
schon an einem Stück, das im August aufgeführt wird, diese Thematik –
u.a.- behandelt und das erste Jahr der NEMASHIM-Kommune in Haifa besiegeln
wird. Bis dann, ruht Euch aus, wir machen hier weiter. Nur noch ein letztes
Wort:
In diesen Tagen erhielten wir die Bestätigung, dass die Eisen-Picard Stiftung
uns mit einer kleinen Summe unterstützen wird. Wir bedanken uns von ganzem
Herzen und hoffen, dass auch andere spüren werden, dass wir hier wirklich
eine wichtige Arbeit machen!
Uri shani
Das Buch über
NEMASHIM:
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